Ai Weiwei lebt jetzt in Berlin

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Einer der bedeutendsten Künstler unserer Zeit lebt jetzt hier bei uns in Berlin: Ai Weiwei. Am 3. September 2015 hat er sich in der Philharmonie bei einer Diskussion mit seinem Landsmann, dem Exilanten und Dichter Liao Yiwu, seitdem zum ersten Mal in der Öffentlichkeit gezeigt.

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Ai Weiwei, Ulrich Schreiber, Liao Yiwu – Veranstaltung mit Ai Weiwei und Lia Yiwu im Rahmen des “Internationalen Literaturfests Berlin” in der Philharmonie am 2. September 2015 in Berlin

 

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 Nach seiner Ankunft in Deutschland hatte Ai Weiwei vor allem durch ein Interview in der “Zeit” für Unverständnis gesorgt. Dort hatte er er u.a. die Verhaftung mehrerer Menschenrechtsanwälte (darunter zwei, die ihn verteidigt hatten) als “keine grosse Sache” bezeichnet und auch sonst war nichts mehr von der konfrontativen Haltung, die er dem Regime gegenüber jahrelang eingenommen hatte, zu vernehmen. War aus der Ikone des Widerstandes im Rahmen eines Faustschen Paktes ein Verteidiger der Einparteiendikatur geworden? Immerhin hatte er erst kurz zuvor einen Reisepass erhalten, auch um seinen in Berlin lebenden Sohn besuchen zu können…
Und genau darum ging es auch bei der Diskussion zwischen dem Exilanten und Regimekritiker Liao Yiwu und dem internationalen Grosskünstler Ai Weiwei.
Yiwu stellte sich als “politischer Flüchtling” dar und forderte an einer Stelle Ai sogar auf, das nun endlich mal anzuerkennen. Ai Weiwei konterte, Yiwu sei erst nach seiner Ausreise aus China auf die Idee gekommen, ein politischer Flüchtling zu sein und könne sich hier aufgrund der Tantiemen für seine Bücher jeden Abend “gemütlich alkoholisieren”.
Abseits derartiger Spitzen, war es interessant zu sehen, in welcher Tiefe Ai beispielsweise die Bemerkung, die Verhaftung der Anwälte sei “keine grosse Sache”, begründete. Es ist ein Reichtum der Kenntnis der eigenen Geschichte, der da durchkam, der die in konstanter Schnappatmung begriffene Diskussion zu praktisch jedem kontroversen Thema hier in Deutschland krass kontrastiert.
Dass beide Chinesen von dem deutschen Feuilleton und der Kulturschickeria nicht viel halten, war auch dadurch klar geworden, dass Ai nach der Erfahrung mit dem Zeit-Interview die “Moderation” durch einen deutschen Kulturmenschen (Wolfgang Herles war vorgesehen und durfte sich das Ganze dann stumm anschauen) schlicht abgelehnt hatten.
Ai Weiwei, das ist nun klar, sucht die leisen Töne, auch, um kein “politischer Flüchtling” werden zu müssen. Er möchte zurückkehren dürfen nach China. Gleichzeitig ist er einer der, wenn nicht der wichtigste zeitgenössische Künstler überhaupt und sein neues, riesiges Kelleratelier unter dem Pfefferberg soll die Europazentrale des global agierenden Künstlers werden.

 

 

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