JAZZFEST Berlin 2022 – Freitag Abend

Das Jazzfest heute begann auch wieder mit einem Interview der Musiker. Ich finde das immer nett und informativ. Es gibt hier und da besondere Einblicke in die Arbeit der Musiker und deren Arbeitsleben.

Auf der großen Bühne im Haus der Berliner Festspiele startete das Jazzfest Fotogen. Sven-Ake Johansson, der International bekannte schwedische Schlagzeuger und Komponist, performte seine Komposition „MM Schäumend-Ouvertüre für 15 Handfeuerlöscher“. Und ja, es waren 15 „Spieler“ mit 15 Feuerlöschern auf der Bühne. Zum Schutz des Publikums vor Wasser und Wasserdampf wurde es mit durchsichtige Platten abgeschirmt. Das Stück war kurz mit vielen Pausen in der Komposition und lebte eher von einem Überraschungseffekt als einem Wow-Effekt. Obwohl es ja so überraschend nicht war denn was konnten Feuerlöscher produzieren? Geräusche .

Die zweite Band waren junge und fantastische instrumentalisten. Die estnische Pianistin Kirke Karja am Klavier und zuständig für die Kompositionen brachte Etienne Renard am Kontrabass und am Schlagzeug im Bullterrier T-Shirt Ludwig Wandinger mit zum Jazzfest auf die Bühne. Obwohl alle gebannt auf das Notenblatt schauten, war es komplett improvisierte Musik im binären System. Viele schöne überwiegend leise aber auch mal laute Töne, also schön dynamisch aber leider ohne den amerikanischen Jazz darin zu präsentieren oder wieder zu spiegeln, zumindest habe ich es so empfunden.

Das dritte und letzte Konzert auf der großen Bühne aber längst noch nicht im Haus, denn es gab danach wieder das Format der im Haus verteilten Musiker und Bands, die es galt zu finden, zu hören, zu sehen, gab das Urgestein am Saxophon Peter Brötzmann. Begleitet wurde er von Hamid Drake dem Hausschlagzeuger des Jazzfests 2022 und, entgegen der Ankündigung nicht von Maalem Moukhtar Gania sondern, von dem einmaligen marokkanischen Musiker Abdelmajid Bekkas, der auch schon vorher bei Joachim Kühn’s Big Band Projekt für das Berliner Jazzfest, mitspielte und sang.

Brötzmann/ Gania/ Drake mit dem Titel “ The Catch of A Ghost“ so wurde das Konzert angekündigt. Im Mittelpunkt Peter Brötzmann der vor dem Konzert mit einem Jazz-Preis geehrt wurde. Peter Brötzmann, inzwischen stolze 80 Jahre, war Vorreiter des deutschen Free-Jazz. Das Trio mit dem Hausschlagzeuger 2022 Hamid Drake und entgegen der Ankündigung, mit dem marokanischen Musiker Abdeljamid Bekkas ( und nicht Maalem Moukhtar Gania) an der Gimbri und mit traditionellem Gesang, war wunderschön, meditativ und rhythmisch und in Parallelwelten unterwegs.

Ich fand es klasse, besonders weil ich den Gesang Abdelmajid Bekkas liebe. Aber: Jazzakkorde ? Jazzmelodien ? Fehlanzeige! Ich habe den ganzen Abend auf der großen Bühne auf dem Jazzfest 2022 in Berlin nicht eine einzige klare Jazzmelodie, nicht einen einzigen klaren Jazzakkord, ja nicht einmal einen Jazzbeat gehört. Das fand ich schon erstaunlich und als Jazzliebhaberin auch ein wenig traurig, denn immerhin ist Berlin Deutschlandweit wohl das Schlußlicht was Jazzkonzerte der amerikanischen Tradition angeht. Wie im vorherigen Blogbeitrag schon erwähnt, sah das aber z.B. der amerikanische Kontrabassist Joshua Abrams aus Chicago ganz anders und fragte mich erstaunt was denn ein Jazzakkord sei. Allerdings ist Chicago voll mit traditionellem Jazz wie Straight Ahead, Contemporary, Bebop oder Swing etc. Er braucht es nicht zu vermissen denn er hat es ständig um sich herum. Leider ist das hier in Berlin nicht der Fall, allerdings frei Improvisierten Jazz und ähnliches haben wir hier zur genüge. Auch genügend Festivals für diese Art von Musik. Musikalisch waren aber alle Bands von Top Qualität und ich habe ihre Musik genossen.

Im Anschluss gab es im Foyer vor einem der oben erwähnten „Hauskonzerte“ weitere Interviews, u.a. mit Peter Brötzmann. Er überzeugte mit Witz und Charme und das Interview fiel darum kurzweilig aus.

Jazz Fest Berlin 2022 – Erröffnungstag Donnerstag 3. November

Vor den Konzerten , am Eröffnungstag des Jazzfest in Berlin 2022, besuchte ich den „Artist’Talk“ mit Tomeka Reid, Cello, die auch das erste Konzert auf der großen Bühne mit ihrem Streichquartett „The Hemphill Stringtet“ gab. Dabei waren noch der „Hausschlagzeuger für 2022“ Hamid Drake und Craig Taborn der mit dem Konzert auch seine Premiere dieses Ensembles auf der großen Bühne feierte. Das Gespräch verlief recht unaufgeregt und es wurde über Entsehengsprozesse gesprochen und Hamid Drake erzählte von seiner Begegnung mit Alice Coltrane und wie sehr ihn das geprägt hat. Auch wies er darauf hin, dass Jeder von uns, egal ob Musiker oder Techniker oder sonstwie Arbeitender, dazu beitragen kann, dass die Welt ein Stück besser, friedlicher wird.

Die künstlerische Leitung hatte wieder Nadine Deventer, die auf sympathische und angenehme Art und Weise moderierte.

Das erste Konzert auf der großen Bühne, wie oben schon geschrieben, gab das Hemphill Stringtet aus Chicago in den USA, und es war wunderbar. Viele Akkorde im „Intonations-Mikrokosmos“ so gut und bewusst gespielt und doch so klar Jazzig, dass es eine Freude war, zuzuhören. Ein tolles Quartett um mit dem Jazzfest zu beginnen.

Das zweite Konzert an diesem Abend gab „Hamid Drake’s Turiya, feat. Naissam Jalal“ und „honoring“ Alice Coltrane von der Hamid Drake so sehr beeinflußt wurde, dass es seine Musikkarriere immer wieder beeinflußte bis hin zu diesem Konzert, dass er ihr gewidmet hat. Er möchte mit diesem Konzert den Geist von Alice Coltrane wieder aufdecken und zum Leben erwecken. Ob das gelungen ist kann ich nicht sagen da ich leider nichts über Alice Coltrane weiß, allerdings war das Konzert sehr eindringlich und rhythmisch Meditativ und von höchster Qualität, was sicher ihm am Modern Drumset und seinen tollen Musikern im Ensemble, zuzuschreiben ist.

Das Ensemble bestand aus Naissam Jajal an der Flöte, Sheila Maurice-Grey an der Trompete, Jan Bang Elektronik, Jamie Saft Klavier, und andere Tasten incl. des berühmten Fender Rhodes, Pasquale Mirra Vibraphon und Perkussion, Joshua Abrams Kontrabass und Gimbri und natürlich Hamid Drake am Modern Drum Set, Perkussion und Gesang.

Ich hatte das Glück den Bassisten Joshua Abrams aus Chicago am nächsten Tag hinter der Bühne persönlich kennen zu lernen und ein wenig zu plaudern. Wir sprachen über Jazz und nachdem ich sagte, dass ich doch an dem zweiten Jazzfesttag, also Freitag Abend, Jazzakkorde vermisst habe, fragt er mich was denn ein Jazzakkord ist? Eine gute Frage aber wahrscheinlich gibt es keine Antwort darauf und jeder muß das für sich selbst entscheiden. Ich werde mich dazu noch in meinem Blogbeitrag für den Freitag Abend äußern.

Das Abschlusskonzert auf der großen Bühne im Haus der Berliner Festspiele gab Craig Taborn, dessen Musik stark von der Begegnung mit Abdoullah Ibrahim beeinflußt wurde. Er hatte mit 13 Jahren ein Solo Pianokonzert von ihm gesehen und gehört und war sich seitdem sicher, dass auch er eine Klavierlaufbahn einnehmen möchte. Sein Konzert wurde stark mit Hilfe von Elektronik unterstützt.

Entsetzt stellte ich fest, dass das Jazzfest jetzt Unisex, bzw. Toiletten mit und ohne Urinal, hatte. Sehr zu meinem Ärger, denn nun drängten sich alle weiblichen Besucher auf die einzige Behinderten-Toilette die nicht von daneben pinkelnden Männern heimgesucht wurde. Ich weiß nicht wer diese Idee hatte aber ich hoffe inständig, dass sich diese Idee im nächsten Jahr in Luft aufgelöst hat.

Musikalisch war es alles in allem aber ein schöner Auftakt für das Jazzfest 2022 und es war endlich wieder live.

Cirque Du Soleil – Berlin 2022

Die Show besteht seit 38 Jahren und zeigt das Können von den besten Artisten die die Welt zu bieten hat. Sie ist in vielerlei Hinsicht eine Show der Superlative. Für die Show Corteo in Berlin im Oktober 2022 reiste der Zirkus mit 25 LKW’s , beschäftigt 117 Personen und davon sind 53 Artisten und ca. 34 Techniker. Es werden über 2000 zusätzliche Teile für Kostüme gebraucht wie Schuhe, Perücken, Gürtel usw.. Jeder Artist hat 3 Outfits für die Show.

Der Cirque Du Soleil zeigt seine Show in drei unterschiedlichen Kategorien. Er spielt entweder in einer Arena, wie in Berlin in der Mercedes Benz Arena. Dort gastiert er ca. für eine Woche. Oder er spielt in seinem eigenen Zelt, im sogenanngten “ Big Top“, dann führt er darin über mehrere Wochen oder sogar Monate auf. Als drittes performen sie in Stadttheatern großer Städte wie z. B. in Las Vagas und in Mexiko. Dort wird dann immer dieselbe Show gespielt. Denn der Zirkus hat inzwischen 51 verschiedene Shows erarbeitet.

Im Oktober 2022 in Berlin in der Mercedes Benz Arena wurde die Show “ Corteo“ auf Deutsch , Prozession, aufgeführt. Es ist die 18. Prduktion des Zirkus und wird seit 17 jahren gespielt. Bisher haben 10 000 000 Menschen diese Show gesehen. Von den 53 Artisten sind 7 von Anfang an mit dabei. In Corteo arbeiten Künstler aus 28 verschiedenen Nationen zusammen und es werden 16 verschiedene Sprachen gesprochen. Mit dabei ist das eigene Büro nur für die Reiseformalitäten. ein Gym, die hauseigene Waschmaschine und natürlich die Schneiderei.

Im Anschluß an Berlin gastiert der Zirkus in Europa in diesem Jahr nur noch in Koppenhagen. Danach wird er für ca. 2 Jahre im norden Amerikas touren und bleiben.

In Berlin gastierte der Zirkus in diesem Jahr zum 2. Mal. Beim ersten Mal in 2012 spielten sie in ihrem eigenem Zelt, dem Big Top.

Für die Maske sind die Artisten selbst zuständig und was am Anfang 2 Stunden dauerte, wird jetzt laut der Pressesprecherin in 45 minuten geschafft.

Die Vorstellung dauerte 2,5 Stunden inklusive einer 20 minütigen Pause. Die einzelnen Performances wurden sehr schön umrahmt und die Zeit verging wie im Flug.

Alles in allem ein schöner Abend, einziges Manko war für mich die zu laute Musik. Das ist leider oft ein mir unbegreifliches Phänomen. Mir wurde mal gesagt es liegt an den Tontechnikern die allesamt schon einen Hörschaden haben. Wenn das stimmt , dann sollten sie das Publikum eigentlich davor bewahren.

Die Performances waren Klasse und ich fand es erstaunlich was für Akrobatik Menschen schaffen und wie künstlerisch sie es darstellen können. Besonders hervorheben möchte ich noch das unglaubliche Timing das bei einigen Performces nötig war um diese ohne Sturz zu bewältigen.

Mit dabei war auch die erstaunliche Fertigkeit der Jongleure.

Die Soloperpermances waren auch ganz erstaunlich.

Der „Paartanz“ dieser Beiden hat mir besonders gut gefallen.

Musikalisch wurde die Show auch von etlichen Livemusikern unterstützt. Also es gab einen Mix von Musik vom Band und Live gespielt, was sicher eine guter Kompromiss ist.

Alles in allem eine gelungene Show die zu den Besten der Welt gehört.

Richard Wagner – Die Meistersinger von Nürnberg

Die Oper in drei Aufzügen wurde in deutscher Sprache mit englischen Untertiteln aufgeführt und war Programm an der Deutschen Oper in Berlin im Juni und Juli 2022. Die musikalische Leitung hatte Markus Stenz. Für die Inszenierung sind Jossi Wieler, Anna Viebrock und Sergio Morabito verantwortlich. Die Musik spielte und sang das Orchester der Deutschen Oper, sein Chor und sein Extrachor.

Ursprünglich sollte der Generalmusikdirektor Sir Donald Runnicles die musikalische Leitung des Orchester übernehmen, allerdings hinderte ihn eine Schulterverletzung daran und so wurde mit Markus Stenz ein mit der Deutschen Oper vertrauter Dirigent als Ersatz, gefunden.

Markus Stenz dirigierte als Generaldirektor in Köln und war u.a. von 2012 bis 2019 Chefdirigent des Niederländischen Rundfunkochesters. Er gastierte auch an der Scala in Mailand, am Theatro Royal de la Monnaie, der San Francisco Opera, der LA Opera an der Bayerischen Staatsoper und an der Hamburgischen Staatsoper. Auch war er in Glyndebourne, Edingburgh International, den Bregenzer und den Salzburger Festspielen zu erleben. An der Deutschen Oper leitete er die Wiederaufnahme von Benjamin Brittens Death in Venice und in der Saison 2021/22 Brittens A Midsummer Night’s Dream.

Die Oper wurde mit dem Stil der 70er Jahre ausgestattet. Gut, das Bühnenbild ist sicher nicht kostspielig gewesen und sparen ist wichtig in den heutigen Zeiten. Trotzdem fand ich die Inszenierung vom Bühnenbild her betrachtet ziemlich Ideenlos, nicht besonders kreativ. Stühle, Türen und reichlich Plastikschuhe plus Strassenkleidung kann doch unmöglich diese Oper darstellen, finde ich jedenfalls.

Hans Sachs ist an der Deutschen Oper ohne Schuhe unterwegs und rät zu Massagen und Yoga. Laut BR-Klassiks überzeugte diese „Meistersinger“-Premiere nicht vollends und der Regisseur Jossi Wieler mit seinem Team hinterließen mit intellektuellen „Pirouetten“ Fragezeichen.Es ist natürlich mein persönlicher Geschmack, dass ich die Wagners Opern lieber in einem abstrakten Rahmen sehen und hören möchte als in einer „Art Neuzeit“. Abstrakt war allerdings schon das ausgerechnet Gesundheitslatschen aus Plastik verteilt wurden und nicht nur das blieb ebenso fraglich, wie ein unvermittelter Gewittersturm ohne nennenswerte Schäden und ein Hans Sachs, der als Schlagzeuger arg „softig“ daher kam.

Ja, anspielungsreich waren diese „Meistersinger“ auf jeden Fall, aber wer möchte bei einer Oper ständig Mitdenken oder Mitraten?

Füge ich hier die Bilder ein dann kommt mir alles mögliche in den Sinn aber sicher keine Wagner-Oper mit interessanten Akkorden und ausgetüftelten Melodien. Und der Focus beim Hören von Opern liegt bei mir ganz sicher auf der Musik und nicht den politischen Hintergründen die immer wieder subtil dargestellt werden sollten.

Alles im allem war ich froh dagewesen zu sein und dadurch in den Genuss eine Oper von Wagner zu hören gekommen bin. Die deutsche Oper ist und bleibt trotz meiner Kritik an dieser Inszenierung eine meiner Lieblingsorte in Berlin,

Der Schatzgräber von Franz Schreker

Die Oper von Franz Schreker wurde am 1. Mai 2022 an der Deutschen Oper in Berlin aufgeführt. Gespielt wurde die Oper von dem Orchester und dem Chor der Deutschen Oper.

Die Oper in einem Vorspiel, vier Akten und einem Nachspiel mit Text von Franz Schreker. Die Oper dauert ca. 2 Stunden und 45 Minuten und wird in deutscher Sprache aufgeführt mit englischen Übertiteln.

Die Oper ist im beginnenden 20. Jahrhundert geschrieben worden und relativ unbekannt. Durch ein Verbot der Aufführung während des Nationalsozialismus verschwand die Oper in der Schublade. Der Regisseur Cristof Loy wollte die Oper nicht gänzlich in Vergessenheit geraten lassen und holte sie darum aus der Schublade hervor.

In der Oper dreht es sich um das Verhältnis von Fantasie und Realität, dem Verhältnis von Kunst und Leben. Dargestellt wird dies mit den Charakteren von Els und Elis. Sie, aufgewachsen ohne Mutter in einer brutalen Männerwelt,

er ein fahrender Sänger der mit seiner magischen Laute Gold und Edelsteine aufspüren kann und damit die Menschheit beschenken möchte.

Nach meinem Empfinden ähnlich wie in dem plattdeutschen Märchen vom Fischer und seiner Frau“ myne Fru de Ilsebill: will nich so, as ik wol will“ kann sich Elis mit nichts zufrieden geben, selbst das schönste Geschmeide ist ihr nicht genug. Und so geht es in der Oper einmal mehr um das Sehnen selbst.

Die Geschichte von Els und Elis geraten zum Traumspiel in einer Welt voller Gier und emotionaler Haltlosigkeit.

So wird Els durch Verleumdung zum Tode verurteilt und entgeht nur knapp dem Tod durch erhängen.

Das Thema wurde gut durchdacht allerdings werden Szenen und insbesondere die Oper natürlich durch die Musik nicht nur begleitet, sondern die Charaktere und die Szenen dargestellt und interpretiert. Da tut sich meiner Meinung nach nun der Graben zu den großen Opern von den “ weltweit bekannten“ Komponisten auf. Ich zumindest möchte die Bilder mit guter Musik verknüpfen und auch einen Hörgenuss erleben. Das war für mich hier leider nicht der Fall. Natürlich ist es schon eine große Leistung eine funktionierende Oper zu schreiben, aber für meine Ohren blieb die Musik unter meiner Erwartung die durch die Ankündignung als eine der wichtigsten Opern des 20. jahrhunderts, doch recht groß war. Das ist allerdings meine persönliche Meinung und am besten überzeugt sich jeder selbst was er von dieser Oper hält.

Musikalische Leitung: Marc Albrecht, Inszenierung. Christop Loy, Bühne: Johannes Leiacker, Kostüme: Barbara Drosihn, Licht: Olaf Winter, Chöre: Jeremy Bines, Dramarturgie: Dorothea Hartmann.

Auf den Fotos: Els: Elisabet Strid, Elis, Daniel Johansson, Der Narr: Michael Laurenz

7 Death of Maria Callas von Marina Abramovic an der Deutschen Oper Berlin

In 7th Death of Maria Callas geht es natürlich um diese aussergewöhnlich Sängerin, die im Laufe ihrer Karriere oft sterben mußte. Marina Abramovic, selbst eine aussergewöhnliche Frau und Künstlerin, ist seit ihrer Jugend von Maria Callas fasziniert und für diese ihre aussergewöhnliche Oper inszeniert.

Bei beiden Frauen ist die Kunst, die Öffentlichkeit und das Privatleben untrennbar miteinander verwoben und Marina Abramovic verarbeitet auch die für sie daraus resultierenden seelischen Schmerzen.

In 7 Death of Maria Callas dekonstruiert die Künslerin die Oper und fügt sie zusammen mit Elementen ihrer Performance-Kunst-als Hommage an eine der größten Opernsängerinnen unserer Zeit und als Hommage an ein Leben für ihre Kunst, die eine Trennung zwischen Privatleben und Profession nicht ermöglicht hat.

Die Künslerin stellt sieben Partien der Callas auf dar, wobei sie versucht den Kern der jeweiligen Oper zu enthüllen und die spezielle Art des Sterbens hervorzuheben.

Mit 7 Videos stellt sie zusammen mit Willem Dafoe, einem bekannten US-amerikanischen Schauspieler, die unterschiedlichen Opern-Tode der Maria Callas dar. Im wirklichen Leben ist sie,so die Künslerin Abramovic, letztendlich an gebrochenem Herzen gestorben . Und dies wurde ihr durch ihre große Liebe Aristoteles Onassis beigefügt.

Für diese Oper wurden die bekannten Arien von Carmen, Floria Tosca, Desdemona, Lucia Ashton, Norma, Cio-Cio-San und Violetta Valery, ergänzt durch Neukompositionen des jungen serbischen Komponisten Marko Nikodjevic. Die musikalische Leitung hat dabei Yoel Gamzo. Das Orchester der Deutschen Oper Berlin spielt die Musik.

Die Oper dauert ca. 1,5 Stunden und überzeugt durch grandiose Bilder, Darsteller, das Timing und die dazugehörige Dramarturgie. Die Aufgabe der Dramaturgie hatte Bededikt Stampfli.

Marina Abramovic ist im damaligen Jugoslawien geboren und hat die internationale Kunstszene und vor allem die Performance-Kunst, seit den 70er Jahren geprägt. Ihre Werke wurden unter anderem aufgeführt im Centre Pompidou in Paris, der neuen Nationalgalerie Berlin, dem Museum of Modern Art New York, dem Guggenheim Museum und auf der Documenta.

An ihrer Oper wirkte auch Petter Sklavan als Autor mit. Filmregie hatte Nabil Elderkin und für die Video-Intermezzo kümmerte sich Marco Brambilla. Kostüme und Konzeption des Bühnenbilds sind Riccardo Tisci und Anna Schöttl zuzurechnen.

Ich war sehr angetan von der Umsetzung dieser Oper und kann sie weiter empfehlen. Ich hoffe, dass sie noch oft gezeigt wird denn sie ist etwas ganz besonderes und durch die hochkarätige künstlerische Arbeit und Ausführung war sie für mich eine Bereicherung. Auch fand ich, dass diese Oper unabhängig von Maria Callas und Marina Abramovic, Leben, Tod und Liebe so darstellt, dass eigene Empfindungen darin Platz finden.

Wie gut, dass wir die Deutsche Oper in Berlin haben, die immer wieder mit dem ausgewählten Programm überzeugt.

Die Berliner Premiere ist am 8. April, weitere Vorstellungen gibt es am 10. April um 15 und 19 Uhr.

Baby Dodds‘ und New Orleans Drumming

Wer ist Baby Dodds ? geboren am Weihnachtsabend 1898 (manchmal wird das Geburtsjahr auch angegeben mit 1894 oder 1896…) Sein älterer Bruder Johnny Dodds war auch ein Musiker und Klarinettist.

Schon mit 16 Jahren arbeitete er als Vollzeitschlagzeuger mit der Willie Hightower’s Band, die „American Stars“.

Danach gesellte er sich zu der Frankie Duson’s Eagle Band bei der auch der Trompeter Bunk Johnson (Trompeter) mitspielte. !

1918 spielte er für drei Jahre mit der Fate Marable Band auf einem Missisippi Riverboat u.a. mit Louis Armstrong.

Zusammen mit Louis Armstrong verliess er das Riverboat um der berühmten King Oliver’s Band als Schlagzeuger zu dienen. Zuerst spielten sie in San Francisco um dann nach Chicago zu wechseln, wo sich Louis Armstrong ihnen anschloss.

Später spielte er dort mit Louis Armstrong und seinen Hot Seven, spielte mit Jelly Roll Morton’s Red Hot Peppers, mit Sidney Bechet und seinem Bruder Johnny Dodds.

1944 endlich zog er nach New York und spielte wieder mit Bunk Johnson. 1948 tourte er durch Europa mit Mezz mezzrow und erlitt in 1949 einen Schlaganfall. Er zog wieder nach Chicago wo er am 14. Februar 1959 starb.

Babby Dodds spielte das Schlagzeug als es in vollem Gang seiner Entwicklung stand. Im gegensatz zu Jo Jones, dem Erfinder der HiHat, spielte Baby Dodds die HiHat nicht gern und hat sein Equipment wie folgt zusammengestellt:

– Eine Bassdrum die er von Ben Pollack bekommen hatte. Eine Snare Drum die er 1921 erwarb und die mit Ziegenfell bespannt war. Drei Tom Tom’s die er erst 1945 erworben hatte. Zwei Cymbals, ein Großes und ein Kleines, aber beide Zildjian-Cymbals die in Constantinople hergestellt worden waren. Das Große kostete 75 US-Dollar in 1919, was sehr viel Geld war zu der damaligen Zeit. Er besaß ein Speed-Bassdrumpedal, Ein Woodblock, eine Kuhglocke, die seit 1916 zu seinem Equipment gehörte und eine Ratsche. Er spielte 4A Drumsticks und besaß ein paar Mallets.

Ein lohnenswertes Drum Solo für eine Transkription ist auf der CD „Spooky Drums NO. Two“ from Baby Dodds Talking And Drum Solos, Folkwang Record and Service Corp. FJ2290, Aufgenommen im frühen Jahr 1946 in New York.

Obwohl Dodds in seinen frühen Jahren als Schlagzeuger mehrere bezahlte Lehrer hatte, beeinflussten ihn die verschiedenen Jazz-Schlagzeuger in New Orleans. So wurde er auch ein Teil der New Orleans-Tradition während Trauermärschen Jazz zu spielen. Dodds beschreibt diese Erfahrung in seiner Autobiografie: “Der Jazz, der nach den Beerdigungen in New Orleans gespielt wurde, zeigte keinen Mangel an Respekt für die Person, die begraben wurde. Er zeigte ihren Leuten eher, dass wir wollten, dass sie glücklich sind.“

New Orleans Jazz Drumming ist ein angeshuffelter und syncopierter Rhythmus mit Marschfeel auf der Snaredrum gespielt. Meine Schüler haben ihren ersten Kontakt mit diesem Stil durch meine, von mir so genannte, „New Orleans Basic Excercise“. Was erstmal nichts weiter ist als der Wechsel zwischen Viertel, Achtel und Sechzehntel, gespielt auf der Snaredrum mit Single Stroke. Die Grundlage für alle weiteren Rhythmen und Handsätze.

Richard Wagner – Siegfried an der Deutschen Oper Berlin

Am 6. November wurde für die Aufführung des Siegfried an der Deutschen Oper in Berlin geprobt, genauer gesagt war es die Generalprobe. Ich habe als Zuhörerin und Fotografin daran teilgenommen unf bin wieder einmal von der Deutschen Oper begeistert worden. Kostüme, Kulisse, Inszenierung, Licht und Dramarturgie sind einfach immer wieder ein Genuss ohne Reue.

Die musikalische Leitung hatte Sir Donald Runnicles und dirigierte das Orchester der deutschen Oper mit Bravour. Es gab wirklich nichts auszusetzen und wie ginge das auch bei der Komplexität dieses Wagner-Werkes. Die Musik ist definitiv keine leichte Kost. Unglaublich viele, mal kürzere, mal längere Melodiephrasen, die mal schwermütig, mal leichtfüssig, aber ständig in aufregender Bewegung miteinander verflochten sind.

Die Inszenierung hatte der bekannte norwegische Musiker und Opernspezialist Stefan Herbheim.

Das Bühnenbild und wie es sich verändert unterstützt die Aufführung und die Musik in ganz hervorragendem Maße. Kein Kitsch, kein störendes Element und doch auch angenehme visuelle Reize wie z.B. die Drachenszene.

Als heroisches Lustspiel bezeichnete Richard Wagner den dritten Teil seiner Ring-Tetralogie. Siegfried wird erwachsen und lernt das fürchten erst in der Gegenwart einer schlafenden Frau. Der Konflikt zwischen diesem Fürchten und der aufkeimenden sexuellen Lust ist mehr als deutlich dargestellt worden und erinnert an die Szene aus dem Film „Das Parfüm“.

Das Bühnenbild ist in Gemeinschaft zwischen Stefan Herheim und Silke Bauer, die ihre Ausbildung zur Bühnenplastikerin an der Deutschen Oper mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, entstanden. Stefan Herheim möchte einerseits die hohe Kunstwertigkeit der Oper spielerisch sichtbar machen und auf der anderen Seite auch der Imaginationskraft des Publikums übergeben. Dadurch setzt er mehr, wie auch bei den anderen Teilen des Rings, auf das szenische Zusammenspiel von Symbolen und Musik, als auf Bühnenrealismus. Für mich persönlich ist dies zwingend Notwendig, denn wer könnte schon bei dieser Musik wissen welche Realität hier herrscht.

Die Dramaturgie hatten Alexander Meier-Dörzenbach, freiberuflicher Dramaturgist und Jörg Königsdorf der seit 2010 Chefdramaturgist der Deutschen Oper ist.

Satte 6 Stunden, inklusive der langen Pausen, dauert das Opernspektakel. Die Musik Wagner’s macht es möglich, dass es kein bisschen langweilig wird und die Zeit wie im Flug vergeht. Ob die langen Umbaupausen eher stören oder den Weg für die Konzentration auf einen neuen Absatz wieder frei machen, wird jeder für sich selbst entscheiden.

Die Inszenierung wurde möglich durch die Unterstützung des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin e.V.

Berliner Staatsoper unter den Linden: Madame Butterfly

Madame Butterfly ist eine Oper in drei Akten von Giacomo Puccini. Das Libretto der Oper wurde von Giuseppe Giacosa und Luigi Illiaca geschrieben. Sie war erstmal eine Oper in zwei Akten und wurde noch im selben Jahr der Uraufführung 1904, umgeschrieben in drei Akte. Grundlage der Oper bot die Erzählung Madame Butterfly von 1898 von John Luther Long und der Tragödie Madame Butterfly von David Belasco. Und ja wenn dies keine Tragödie ist was dann? Die schöne Japanerin Butterfly wird von einem Amerikaner umworben, ja sogar auf japanische Weise und damit für ihn unverbindlich, geheiratet, um sie dann zu verlassen und mit einer Amerikanerin, seiner neuen Frau, zurückzukehren. Mit Butterfly möchte er am liebsten nicht mehr in Kontakt kommen, und nur noch den gemeinsamen Sohn mit nach Amerika nehmen. Am Ende stirbt Butterfly vor Liebeskummer indem sie sich, ganz nach japanischer Tradition, mit einem Messer selbst das Leben nimmt.

Ich habe diese Oper in der Berliner Staatsoper am Samstag den 4. September 2021 gehört und gesehen. Inszeniert wurde die Oper von Eike Gramss der ein deutscher Opern und Theater -Regisseur, sowie Theater Intendant war und 2015 verstorben ist. Das Bühnenbild ist natürlich japanisch gestylt und recht einfach gehalten, was angenehm war um sich voll auf die wundervolle Musik Puccini’s konzentrieren zu können.

Die musikalische Leitung hatte der international anerkannte Massimo Zanetti. Das Orchester spielte ganz hervorragend und auch die Sänger und Sängerinnen stellten ihr Können unter Beweis.

Die Vorführung fand noch unter eingeschränkten Corona-Bedingungen statt und war nur zu einem Drittel des möglichen Publikums besetzt. Es wurde ganz genau nachgeschaut ob auch jeder geimpft, getestet oder genesen war. Am Platz durften die Masken, die sonst obligatorisch waren, abgesetzt werden.

Berliner Staatsoper Unter den Linden 7, 10117

Berliner Staatsoper unter den Linden : Le nozze di Figaro

Le nozze di Figaro ist eine Oper von Wolfgang Amadeus Mozart. Ich habe eine Inszenierung von Vincent Huguet in der Staatsoper Berlin am Sonntag den 26. September 2021 besucht.

Der Franzose Vincent Huguet ist eigentlich Historiker und Kunsthistoriker und arbeitete als Geschichtslehrer. Eventuell durch seine Arbeit als Kunstkritiker und Autor oder vielleicht einfach durch einen Zufall ist es dazu gekommen, dass er, inzwischen mitte Vierzig, an der Staatsoper Inszenieren darf. Es ist mir ein Rätsel warum in Berlin immer mehr „Spartenfremde“ die Arbeit bekommen, die eigentlich jemand speziell dafür ausgebildet und prädestiniert dafür, machen sollte. Es machte sich besonders an den Details bemerkbar, dass hier kein großer Künstler, sondern ein Kunsthistoriker am Werk war. Z.B. lies der gute Herr Huguet zwei Darstellerinnen rauchen. Entweder weil er selber raucht und das einfliessen lassen mußte, oder weil er sich nicht anders zu helfen wußte. Ich fand es grauenvoll für mich und mochte mir gar nicht vorstellen was die Sängerinnen da komplett unnötig erleiden mußten. Es erschloss sich mir in keiner Weise warum und wozu. Vielleicht sollte es Nervosität darstellen ? Das geht auch anders. Am Anfang mußten die armen Künstler bei einem Workout auf einem Tisch in einer Küche ihre Texte singen. Sowohl die langweilige Küche als auch die unglaublich uninspirierten Kostüme machten es nicht leicht sich der tollen Arbeit Mozarts zu erfreuen.

Die Musik die von Mozart mit 30 Jahren geschrieben wurde und die Texte von seinem Librettisten Lorenzo Da Ponte ,setzten neue Maßstäbe in Dynamik, Humor und Esprit.

Als Dirigent war niemand geringerer am Werk als der mozarterfahrene Daniel Barenboim. Mit »Così fan tutte« und »Don Giovanni« kommen auch die beiden anderen Da-Ponte-Opern auf die Bühne, als Teil 1 und 3 dieser eigens für die Staatsoper konzipierten Trilogie.

Der Haupttenor war krank geworden und der Ersatzsänger bewerkstelligte eine unglaubliche Leistung. Trotz nur einer Probe war es ihm nicht anzumerken, dass er so kurzfristig eingesprungen ist. Und aus diesem Grund wurde dies auch nochmal anerkennend von Daniel Barenboim hervorgehoben.

Die Nacht des Figaro ist eine Opera Buffa in vier Akten. Die Verbindung dieser Abschnitte gelang gut und die 3,5 Stunden sind auch schnell vergangen dank der hervorragenden Leistung der Sänger und Sängerinnen.

Und ja, an manchen Stellen ist auch die Humorvolle Seite dieser Oper zum Vorschein gekommen.

Allerdings ganz so wie ich es auf der Webseite der Staatsoper gelesen habe: “ Temporeichtum und Situationskomik gelangen dabei ebenso zum Vorschein wie Nachdenklichkeit und Melancholie. Die immense Differenzierungskunst, wie sie sich in Mozarts Wunderwerk so eindringlich zeigt, wird sich auch in der musikalischen und szenischen Darstellung widerspiegeln. “ habe ich es nicht empfunden.

Staatsoper unter den Linden 7, 10117 Berlin