Binär-Ternär

Binäre und ternäre Rhythmen und Takte sind die zwei unterschiedlichen „Familien“ im Rhythmus. Als Musiker lernen wir, diese beiden „Familien“ zu unterscheiden und der Aufgabe entsprechend zu spielen.

Binär

Eine durch zwei teilbare Zahl ist eine binäre Zahl. In Bezug auf Rhythmus bedeutet es, dass Taktarten und Notengruppen die durch die Zahl 2 teilbar sind, als binäre Rhythmen bezeichnet werden. Binäre Rhythmen  sind z.B. Achtel oder Sechzehntel.

schlagzeugblog

Ternär

Ternär bedeutet, dass eine Zahl durch 3 geteilt, eine gerade Summe ergibt. Ternäre Rhythmen sind z.B. Triolen oder Sechs-Achtel, denn Sechs-Achtel geteilt durch 3 ergibt 2.

drumtrainer berlin

Kombinationen aus ternären und binären Rhythmen

Jeder Rhythmus lässt sich einer der beiden Gruppierungen, ternär oder binär, zuordnen. Lässt sich z.B. eine Taktart nicht glatt durch 2 oder 3 teilen, ist es ein kombinierter Takt. Ein 5/4tel Takt ist eine Kombination aus einem 2/4tel -(binär) und einem 3/4tel-(ternär)Takt.

Achtel

Achtel gibt es in beiden Rhythmus-Familen. Teilen wir ein Viertel durch 2 entstehen binäre Achtel, teilen wir ein Viertel durch 3 entstehen Triolenachtel. Da Achtel, egal welcher Familenzugehörigkeit mit einem Balken oder einem Fähnchen gekennzeichnet werden, müssen Triolenachtel noch zusätzlich mit einer 3 über den Noten gekennzeichnet werden. Nur dann sind es Triolen. Es gibt noch einen weiteren Rhythmus, der auf Achteln basiert. Nämlich wenn wir drei oder 6 Achtel als Taktart spielen. Wir haben dann den 3/8tel Takt, der in der klassischen Musik oft Verwendung findet, oder der als eingeschobener Takt auch in der Pop- und Rockmusik vorkommt und zu den ternären Taktarten gehört. Und wir haben den 6/8tel Takt, der einer der wichtigsten Taktarten überhaupt ist und sowohl ternär als auch binär empfunden werden kann. Eventuell ist es der erste Takt überhaupt, der sich in der Musikgeschichte etabliert hat.

Sechzehntel

Für die Sechzehntel gilt das gleiche wie für die Achtel, nur das sich das Verhältnis verdoppelt. Also aus 2 binären Achtel werden 4 Sechzehntel und aus 3 Achteltriolen werden 6 Sechstolen. Wobei die Sechstolen natürlich entsprechend den binären Sechzehntel mit zwei Balken und einer Sechs darüber geschrieben werden. Allerdings können Sechstolen auch in zwei Gruppen geteilt und dann mit 2x 3 gekennzeichnet werden.

Viertel

Auch bei den Vierteln gibt es Binär und Ternär. Ein 2/4tel oder 4/4tel-Takt gehört zu den bnären Takten und ein  3/4tel natürlich zu den ternären Taktarten. Dann gibt es noch die Vierteltriolen die auch wieder mit einer 3 über den Notenhälsen gekennzeichnet werden müssen. Zu welcher Rhythmusgruppe sie gehören brauche ich wohl nicht mehr zu erwähnen.

 

Globe Unity Orchestra

„Das kosmische Auge im Mittelpunkt und an der Peripherie der Kugel sieht Strukturen gleichzeitig von allen Seiten. Aus der göttlichen Gleichgültigkeit der Kugel schießen die Soli mit dem Gestus der Revolte. Sie ziehen ihre Bögen nach dem Abbild des Lebens.“ Dieses doch recht abstrakte Zitat kommt vom Gründer des Globe Unity Orchesters, Alexander von Schlippenbach. Alexander von SchlippenbachDas Orchester entstand aus einer Auftragsarbeit für das Berliner Jazzfest im Jahr 1966 und feierte in diesem Jahr sein 50 Jährige Bestehen. Bei solch einer Bandgeschichte bleibt es natürlich nicht aus, dass die Musiker im Laufe der Zeit immer mal wechselten.

Die Reaktionen auf dieses Konzert waren so vielfältig wie die Soli der Musiker. Tumulte, wütende Beschimpfungen und begeisterter Zuspruch waren das Ergebnis. Der deutsche Free Jazz der sechziger Jahre spaltete das Publikum in die einen, die nur Krach hörten, und die anderen, die sich angesprochen fühlten von den wilden, unerhörten Klängen die sich als neue Richtung im Jazz beweisen wollten.

Auch 50 Jahre später sollte es nicht anders sein. Ob der direkte Wechsel von dem wunderbaren ohrschmeichelnden Duo Brad Mehldau und Joshua Redman zu dem lärmenden Globe Unity Orchestra extra gewählt wurde oder eventuell durch die Reisepläne des amerikanischen Duos bedingt waren, wissen wir nicht, aber nicht alle aus dem Publikums waren von dem krassen Gegensatz begeistert und viele verließen nach den ersten Tönen der „Improvisationstruppe“ den Saal.

paul lytton

Allerdings bis heute immer noch dabei, der Pianist, Komponist und Bandleader Alexander von Schlippenbach, der das Orchester vom Free-Jazz a la Peter Brötzmann in den Free-Jazz a la Schlippenbach führte. Einige Jahre (1970-1977) spielte das Orchester unter der Leitung von Peter Kowald, der sich mehr auf festgeschriebene Kompositionen verlassen hat. Danach wieder unter der Regie von Schlippenbach wurde das Orchester wieder voll und ganz von der Improvisation beherrscht, wobei es keine fixen Kompositionen gibt und die Musik von den langjährigen Erfahrungen der Jazzmusiker lebt. Da das Orchester auch von Musikerinnen befreit ist, lässt es sich in höchster Testosteron-Manier improvisieren. Als „Orchester-Unikat“ steuert das Globe Unity Orchestra sicher einen Beitrag zur musikalischen Vielfalt bei.

 

Bildband „Berliner Republik“

Bei Bildbänden und Fotobüchern geht es mir häufig so: Ich blättere das Buch durch, schaue mir die Bilder einmal an und dann stelle ich den Band weg – z.T. für immer.

Nicht so bei diesem Bildband: „Berliner Republik“ von Jens Knappe, der im Gamut-Verlag erschienen ist, dem Verlag, bei dem auch mein Schlagzeugunterricht-Lehrbuch „Spielt Schlagzeug!“ erschienen ist. Hier entdeckt man immer wieder etwas Neues und deshalb landet hier ausnahmsweise mal ein Buch in der Rubrik „Berlin Highlights“!

"Berliner Republik" von Jens Knappe
„Berliner Republik“ von Jens Knappe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da ist zu erstmal der Umschlag: Sind es „Glaskugeln“, in denen Politiker aus dem Weltall nach Berlin  kamen (,wie in einer Besprechung des Buches vermutet wurde) oder sind es kleine Zeitbläschen, die ins Universum entweichen, und bitte nicht zum Platzen gebracht werden sollten? (so, oder so ähnlich steht es in dem Vorwort) Eigentlich egal, denn das Bild auf dem Cover setzt in einem selbst zahlreiche Assoziationen und Gedanken frei, die einen beschäftigen und so setzt sich das mit zahlreichen Bildern aus dem Buch fort.

Palast der Republik: Abriss in mehreren Etappen
Palast der Republik: Abriss in mehreren Etappen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es geht um Berlin, das in den Nuller Jahren zur Haupstadt und für Architekten, Politiker, Künstler und andere zu einer einzigartigen Bühne wurde. An Orten, wo vorher Todesstreifen und dann staubige Baustelle war, wurden Parlament und Kanzleramt in Betrieb genommen und die alten DDR-Bauten im Osten wurden zumeist abgerissen oder abgetragen. Die Stadt wurde dabei als Bühne und Kulisse, die Politik wie das darin gespielte Theater fotografiert.

Panorama: Greenpeace-Protestaktion: der Kadaver eines vor wenigen Tagen in der Ostsee verendeten Finnwals liegt aus Protest gegen die japanische Walfangpolitik vor der japanischen Botschaft in Berlin.
Panorama: Greenpeace-Protestaktion: der Kadaver eines vor wenigen Tagen in der Ostsee verendeten Finnwals liegt aus Protest gegen die japanische Walfangpolitik vor der japanischen Botschaft in Berlin.

 

 

 

 

 

 

Vor allem geht es um Politik und Politiker, die die „neue Stadt“ als Bühne für Inszenierungen, Demonstrationen oder Protest benutzten.

Auch das gockelhafte Auftreten vieler Männer aus der Politik finde ich hervorragend getroffen:

Selbstdarstellung in der Berliner Politik.
Beispiele für Selbstdarstellung in der Berliner Politik.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Entlarvend ist teilweise der sprichwörtliche „Schritt zurück“, den Fotografen tun können, um ein Ereignis in seiner Gesamtheit darstellen zu können und sich so auch einer beabsichtigten Instrumentalisierung zu entziehen.

Nicolas Sarkozy inszeniert einen "privaten Moment" am Holocaust Mahnmal
Nicolas Sarkozy inszeniert einen „privaten Moment“ am Holocaust Mahnmal

 

 

 

 

 

 

Der Fotograf selbst spricht von einem „bunten Strauss an Impressionen“ aus einer Zeit, die eigentlich ganz nah, aber in gewisser Weise bereits ferne Vergangenheit ist.

In dem Bildband finden sich Bilder, die teilweise als Doppelseiten oder Titelbilder Nachrichtenmagazine wie Spiegel oder Stern schmückten, daneben aber auch eine beträchtliche Anzahl bislang unveröffentlichter und nur für dieses Projekt ausgewählter Bildmotive.

Für alle, die sich für Berlin und die Veränderungen, die in den letzten Jahren hier stattfanden, interessieren und etwas haben möchten über diese Zeit und über diese Stadt, das sie sich gerne immer wieder anschauen und etwas Neues darin entdecken, sei dieses Buch dringend empfohlen!

Der Bildband ist sowohl im Buchhandel erhältlich, kann aber auch direkt über die Verlags-Website bestellt werden:

http://gamut-verlag.de/?product=jens-knappe-berliner-Republik

Jens Knappe: Berliner Republik.
Hauptstadt als Bühne.
Die Nuller Jahre.
Gamut Verlag Berlin.

Berlin 2016.
ISBN 978-3-940948-36-6

Hardcover-Bildband, 204 Seiten, 229 farbige Abbildungen

Deutsch/ Englisch

 

 

 

 

Charlotte Greve – Saxophon

Charlotte Greve ist eine junge deutsche Saxophonistin, die mit ihrem erfrischenden und gefühlvollen Sound überzeugt. Inzwischen 28 Jahre jung, begann sie mit acht Jahren Flöte zu spielen, um dann mit 16 auf das Altsaxophon zu wechseln. Sie studierte und spielte 6 Jahre in Berlin und bekam dann ein DAAD-Stipendium für New York. Nach eigenen Aussagen sind ihre wichtigsten Lehrer und Mentoren John Hollenbeck, Greg Cohen, Peter Weniger, Kurt Rosenwinkel, Billy Drews und Mark Turner. Nach ihrem Abschluss an der New Yorker Universität lebt sie in Brooklyn, einem bei Künstlern angesagten Stadtteil und kennt nun die Jazz-Musiker Szene von Berlin und New York. Hier ein Zitat von ihr dazu:

„Ich habe vor Brooklyn sechs Jahre lang in Berlin gelebt und kenne also beide Szenen ganz gut. Ich finde, dass sie in ihrer Vielseitigkeit viele Gemeinsamkeiten haben. Es gibt tausend verschiedene Unter-Szenen innerhalb der Musikergemeinschaft. Unter diesen gibt es Austausch, aber auch eben eine gewisse Abgrenzung. Ich glaube die Musik bekommt durch diese inneren Gruppenstrukturen auch eine Stärke, weil sich eine ganz spezielle Ästhetik um eine bestimmte Gruppe von Musikern bilden kann.“

Nicht nur die Saxophonistin Charlotte Greve ist begeistert von Brooklyn und hat diesen Ort deshalb zu ihrer Wahlheimat gemacht, sondern auch viele andere zieht es dorthin. Z.B. auch die aus Boston in Massachuetts stammende Gitarristin lebt und arbeitet in Brooklyn und hat für diesen Ort folgende Worte übrig:

Die amerikanische Gitarristin Mary Halvorson lebt auch in Brooklyn und von ihr wurde das folgende Zitat im Berliner Festspieleblatt gepostet: „Was ich mag an der Szene in Brooklyn, ist, dass sie gleichzeitig klein und groß erscheint. Es gibt dort einen großen Zusammenhalt zwischen den Musikern, und zur selben Zeit ist es möglich auszubrechen und neue Musiker zu treffen und alle Arten von Musik zu erkunden….mit anderen Worten: Es fühlt sich niemals an als wenn die Szene erstarrt.“ Zurück zu Charlotte Greve, die auch in der Presse ordentlich gefeiert wird.

Charlotte Greve ist nicht nur eine hervorragende Saxophonistin, sondern sie komponiert auch selber und ist Bandleaderin des Lisbeth-Quartett’s. 2011 war das Lisbeth Quartett Teil der Berliner Jazzfestspiele. Das Konzert spielte die Band im Stadtbekannten Jazzclub A-Trane.

 

Sonntags beim Berliner Jazzfest 2016

music talkAm letzten Tag vom Berliner Jazzfest 2016 gab es um 18.00 Uhr einen „Artist Talk“. Teilgenommen haben der aus Brooklyn/ New York stammenden Steve Lehmann, die aus Frankreich stammenden Pianistin Eve Risser und der in Mississippi geborenen Trompeter Wadada Leo Smith. Smith hatte dafür eins seiner „Leadsheets“ an die Wand projektieren lassen und erklärte damit die Vorgehensweise seiner Improvisationsmusik. Smith spielte im Rahmen des Berliner Jazzfests mit Alexander Hawkins an der Orgel in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche. Die beiden Musiker kennen sich und haben schon einige Konzerte gemeinsam gespielt, allerdings hatten sie dabei noch nie die Gelegenheit, in einer Kirche zu spielen und schon gar nicht mit einer Pfeifenorgel.

Nach einigen Sätzen darüber, wann und wie Improvisation zur Kunst wird und zwei Fragen aus dem Publikum, war die Zeit für den „Talk“ vorbei und die letzte Konzertreihe des Festivals begann.

Den letzten Abend eröffnete die Band Julia Holter & Strings.Strings and WingsDer Gesang und  die Kompositionen hatten einen „folkigen“ Gesamtcharakter und erinnerten ein wenig an die Musik von Björk. Das allerdings fügte dieser schönen Musik keinerlei Schaden zu.

Als zweite Band spielte das Steve Lehman Octet. Der 1978 in New York City geborene Altsaxophonist Steve Lehman schrieb die Kompositionen für seine Band und liess dabei die von ihm ausführlich studierte Musik von Olivier Messiaen mit einfliessen. ich brqauch schlagzeugunterrichtschlagzeug lernendrum lesson in berlinDie Musik des Octets war definitiv ein Ohrenschmaus. Die „neue Intonation“, auch genannt „Spektralmusik“, war so selbstverständlich und ohne jeden Zweifel vorgetragen, dass sie beeindruckend und überzeugend war. Nicht umsonst gilt Lehman manchen Musikmedien als „eine der richtungsweisenden Kräfte des frühen 21. Jahrhunderts“ und wurde von „Down Beat“ zum besten Jazzkünstler und Altsaxophonisten gewählt.

Das Abschlusskonzert spielte das Eve Risser’s White Desert Orchestra. Eve Risser ist eine französische Musikerin, die sich nach ihrem Musikstudium für klassische Flöte mit Improvisation beschäftigte und dann das elfköpfige White Desert Orchestra gründete. Mit diesem Orchester spielte sie ihre Kompositionen und es gelang ihr, eine wunderbare Balance zwischen Komposition und Improvisation zu schaffen. Ihr Ensemble begleitete sie am Piano.

Bilder: 360-berlin

Berliner Jazzfest 2016 am Samstag

Am Samstag den 5. November 2016 gab es beim Berliner Jazzfest wieder drei Konzerte auf der großen Bühne im Haus der Berliner Festspiele.

Ralph Alessi, USADen Abend eröffnete das Angelika Niecier – Florian Weber Quintett. Die beiden Musiker aus Deutschland und Polen holten sich für ihr Quintett drei hervorragende Musiker aus den USA in ihre Band. Darunter den bekannten Trompeter Ralph Alessi.Trompeter USADie Improvisationen der Musiker waren angenehm frisch und boten aber auch gesetztes Jazzvokabular, dass im Zusammenspiel der Musiker zu einer schönen Lyrik verschmolz. Routiniert und mit gutem Schwung unterstützte der Schlagzeuger Gerald Cleaver die Band. Drums USA

Als zweiter Akt spielte die Nik Bärtsch hr-Bigband. Nik Bärsch der die Band am Piano begleitete und die Kompositionen schrieb, ist ein Schweizer Musiker, der nicht zum ersten mal beim Berliner Jazzfest zu Gast ist. Nicht genug, dass er neben Musikwissenschaften auch noch Philosophie und Linguistik studierte, er eröffnete auch noch einen Club in der Schweiz und gründete auch ein Plattenlabel.

Schweizer Big Band JazzDie Band spielte souverän viele krumme und gerade Takte und hatte einen sehr schönen „Gesamtsound“.

Als Schlussakt war niemand geringerer geladen als der international wichtige und bekannte Drummer Jack DeJohnette.

Jack DeJohnetteUnd mit ihm kamen Ravi Coltrane am Sopranino, Sopran- und Tenorsaxophon und Matt Garrison am Bass und Electronics. Diese beiden Musiker kennt Jack DeJohnette seit ihrer Kindheit, denn sie sind die Nachkommen von niemand geringerem als John Coltrane und Jimmy Garrison. Mit diesen fantastischen Musikern hatte DeJohnette 1966 einige Konzerte gespielt.

Ravi Coltran, John Coltrane, Jimmy Garrison, Matt GarrisonDie Musik dieses außergewöhnlichen Trios war speziell. Alle drei Musiker waren gleichberechtigt unterwegs und durch die von dem Bassisten hinzugefügten elektronischen Sounds, verschwammen die Stimmen zu einem, nach DeJohnette’s eigener Aussage, der Zeit angepassten, Gesamtkunstwerk.

Berliner Jazz Fest 2016

Joshua RedmanAm Freitag, den 4. November 2016 eröffneten Joshua Redman und Brad Mehldau den Abend. Ich hatte die beiden schon vor ein paar Jahren in der Philharmonie gehört und war von diesem Duo total begeistert. Joshua Redman spielt Sopran- und Tenorsaxophon und klingt mit beiden Hörnern einfach nur wunderschön.

MusikunterrichtDieses herrlich aufeinander abgestimmte Duo improvisiert Jazzthemen mit enormer Leichtigkeit und großer Kreativität. Dabei verfallen sie nicht in den Fehler, etwas zeigen zu wollen oder ein bestimmtes Jazzvokabular in den Musiktext unter zu bringen, sondern lassen sich von der Musik führen. Und weil ihnen nach eigenen Worten das Publikum nicht nur wichtig, sondern der Motor für ihr Spielen ist, spricht ihre Musik das Publikum an. Auch auf der großen Bühne des Berliner Jazzfests im Haus der Berliner Festspiele war das Publikum begeistert. Wer gern Jazz hört und gestern nicht dabei sein konnte, dem empfehle ich Ausschau zu halten nach dem nächsten Konzert.

jazzduo

Das auf diesen Auftritt folgende Globe Unity Orchestra wurde vor 50 Jahren von dem Pianisten Alexander von Schlippenbach gegründet. Alexander von SchlippenbachDas Orchester, das aus 15 Bläsern, dem Pianisten und zwei Schlagzeugern besteht, hat sich dem kollektiven Improvisieren verschrieben und befindet sich auf jeden Fall im Bereich des Free-Jazz. Das es da laut zu ging, dürften sich alle nicht Anwesenden denken können. Dass sehr viele Zuhörer während des Auftritts den Saal verlassen haben, wissen wohl eher die Anwesenden. Das Orchester besteht überwiegend aus deutschen Musikern, zB. auch dem legendären Rudi Mahall an der Bassklarinette.  Rudi MahallDenn obwohl alle sowieso ununterbrochen improvisierten, kam immer mal ein Bläser nach vorn, um dann besonders im Vordergrund zu stehen.

Das Orchester war ungewöhnlich aufgestellt und die Bläser bewegten sich immer mal wieder durch den Raum um andere Räume und Plätze für sich zu finden. Die Schlagzeuger standen relativ weit voneinander entfernt und es stellte sich die Frage, ob sie überhaupt etwas voneinander hören konnten.

Links hinten, Paul Lytton am Schlagzeug paul lyttonPaul Lovens rechts vorn am Schlagzeug

paul lovens drummer

Es gab dann noch die Pianistin Myra Melford aus Chicago zu hören mit Ihrer Band Myra Melford’s Snowy Egret.

Stick Control

Stick Control ist ein Standardwerk für die Kleine Trommel. Geschrieben wurde es von George Lawrence Stone und wird oft als die Bibel des Schlagzeugs genannt. 1993 wurde es zu Recht vom Modern Drummer-Magazin unter die besten 25 Lehrbücher für die Schlagzeugausbildung gewählt.
Das Schlagzeugbuch Stick Control von G.L. Stone ist ein hervorragendes Buch um die Kontrolle der Stöcke, zu verbessern. Es ist ein Buch um schneller und flexibler spielen zu können und um Rhythmus, den Anschlag, sowie die technik für die Leichtigkeit des Schlags, zu verbessern. Kraft, Durchhaltevermögen und Genauigkeit können genauso mit Stick Control trainiert werden, wie die schwächere Hand.

finde schlagzeugschule in berlinStick Control eignet sich für den interessierten Anfänger und bleibt auch für den Fortgeschrittenen und dem Profi ein gutes Schlöagzeug-Lehrbuch.
Es beinhaltet Single und Double-Stroke Kombinationen, Triolen, Roll Kombinationen, Flam’s, Punktierte Noten und Kombinationen aus diesen Techniken.

In meinem Unterricht arbeite ich hauptsächlich mit der Seite 5. Sie besteht aus den Handsätzen Single, Double, Paradiddle, Dreierschläge und Kombinationen mit diesen Handsätzen. Nachdem die Handsätze auf dem Pad sowohl in Binären wie auch in Ternären Rhythmen beherrscht werden, nehmen meine Schüler die Handsätze und verteilen sie über das Schlagzeug. Klappt das auch gut, können die „Rechts-Links-Kombinationen“ erweitert werden. Dabei gibt es fast keine Grenzen.

Z.B. kann der Singlestroke, also Übung Nummer 1, zwischen einer Hand und einem Fuß aufgeteilt werden. R= rechte Hand, L=linker Fuß. Dabei kann R die Snare spielen und L die Hi-Hat. Klappt das gut, könnten die Schläge R zusätzlich auf zwei Schlagflächen verteilt werden, z.B. zwischen Snare und Stand Tom. Ein Ziel könnte sein, mit R über die Toms zu improvisieren. Dies könnte erweitert werden indem wir noch den rechten Fuß dazu nehmen und ihn auf den Sechzehnteln „a“ und „e“ zwischen R und L spielen. Dann beschäftigen wir auch noch die linke Hand, indem wir z.B. das Crashbecken mit der Bassdrum gleichzeitig anschlagen. Und schon üben wir an einem schönen synkopierten Fill In.

Jeder Profi kennt dieses Buch und hat, zumindest zeitweise, damit geübt. Für manche Schlagzeuger ist es das „Non Plus Ultra“ Buch der Schlagzeuglehrbücher und sie geben es für den Rest ihrer Schlagzeugkarriere nicht mehr her. Aber auch für den interessierten Hobbydrummer macht das Buch Sinn. Es kann immer an die jeweilige Lernsituation angepasst werden.

Syncopation – Ted Reed

„Syncopation“ bedeutet, dass ein akzentuierter Schlag auf einem nicht akzentuierten Platz im Takt gespielt wird. Diese Schläge, z.B. auf den Plätzen der Sechzehntel „a“ und „e“, geben einem Schlagzeuggroove einen treibenden Akzent. Hiermit fängt Musik an belebend zu wirken und es gibt eigentlich keine Musik die ohne synkopierte Akzente auskommt.

Für den Zuhörer sind synkopierte Noten ein Genuss wenn sie richtig platziert werden. Leider ist das Spieltechnisch nicht einfach. Um Synkopation wirkungsvoll spielen zu können, müssen erst die Downbeats, also die schweren Plätze im Takt wie die Viertel, 1,2 ,3 und 4, richtig gespielt und gefühlt werden können.

modern drummerUm das zu erlernen eignet sich ganz hervorragend das Standardwerk „Syncopation“ von Ted Reed. In den ersten Lektionen 1-12 dreht sich allerdings und richtigerweise, alles um den Downbeat. Die Übungen sollten als erstes genau so gespielt werden wie sie aufgeschrieben sind, nämlich zwischen Bassdrum und Snare. Hierbei ist es sehr wichtig, dass laut zum Spielen gezählt wird. Dadurch stabilisieren und verinnerlichen wir den Rhythmus. Dann können diese Übungen in alle möglichen und unmöglichen Richtungen modifiziert werden. Z.B. kann bei „Lesson 1“ statt die Bassdrum nur auf 1 zu spielen, eine Bossanova-Fußfigur gespielt werden. Es kann z.B. bei „Lesson 3“ die Standard Jazzfigur auf dem Ride Cymbal der Snarerhythmus mit der linken Hand und die Bassstimme mit dem Baß, gespielt werden. Es gibt unzählige Variationen und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Mit der Zeit und mit der Menge an Übungseinheiten etabliert sich beim Schüler ein Gefühl, bzw. ein Wissen, wo sich die Viertel im Takt befinden und genau das soll erreicht werden. Der Schlagzeugschüler soll mit der Zeit lernen, den Beat innerlich zu fühlen. Erst wenn das erreicht ist, kann es mit Synkopation weiter gehen. Im Buch von Ted Reed kommen dann dafür die neuen Kapitel bei denen es darum geht, synkopation zu üben. Auch diese Übungen sollen erstmal so geübt werden, wie sie aufgeschrieben sind, um dann wieder modifiziert zu werden. Dazu kann z.b. jede Art von Musikstil herangezogen werden.

Für dieses wichtige Kapitel im Schlagzeugspiel ist ein guter Lehrer hilfreich.

 

Kleine Trommel spielen – Anfänger am Schlagzeug

Die Kleine Trommel ist ein wichtiges Teilinstrument des „Modern Drum Set“. Wenn die Kleine Trommel nicht als einzelnes Instrument gespielt wird, sondern ein Teil des Schlagzeugs ist, wird sie auch  „Snare-Drum“ genannt. Im amerikanischen wird der Klangteppich mit dem die Kleine Trommel ausgestattet ist, „snare“ genannt und daher kommt der inzwischen auch in Deutschland gebräuchliche Name, Snare-Drum.

Schlagzeugschule berlinUrsprünglich stammt die Kleine Trommel aus Frankreich, bzw. wurde sie dort entwickelt um als Militärtrommel zu dienen.

Musikalisch ist sie der Wegbereiter zur Melodie am Schlagzeug. Erst wenn wir auf der Snare Rhythmusmelodien spielen können, beginnen wir diese Melodien auch auf das Schlagzeug zu verteilen. Melodie bedeutet linearer Rhythmus. Und das bedeutet, dass ein Schlag dem anderen folgt und keine gleichzeitig.

Das allerbeste für einen Anfänger wäre es, bevor er mit dem Schlagzeug spielen beginnt, nur die Kleine Trommel für einige Zeit zu spielen. In dieser Zeit sollte der Anfänger einerseits Rudiments, also Handsätze wie Single Stroke, Double Stroke, Paradiddle usw. üben und gleichzeitig kleine Etüden lesen und spielen lernen. Für diese Arbeit benutze ich am liebsten das Kleine-Trommel Buch Band 1 von Siegfried Fink. Die Etüden sind sehr gut aufeinander aufgebaut und der Anfänger wird in logischen Schritten durch die kleinen Übungsmelodien geführt. Wichtig ist hierbei jedes einzelne Stück zu spielen und als Lehrer zu kontrollieren. Die Etüden sind nach klassischer Weise mit der Angabe des Tempos und Spielgefühls, sowie Dynamik aufgeschrieben. Wenn ich mit einem Schüler beginne, oder wenn jemand das Buch im Selbsstudium durcharbeiten möchte, empfehle ich zu beginn auf das angegebene Tempo und die Dynamik zu verzichten. Die Stücke werden am besten erstmal nur langsam mit Single Stroke und lautem Zählen gespielt. Auf ein Metronom sollte in der Anfangsphase unbedingt verzichtet werden ! Können alle Etüden fließend und so gut wie ohne Fehler gespielt werden, kann mit der Temposteigerung und dem Spielen der Dynamik, begonnen werden. Finks Buch Band 1 für die Kleine Trommel beherbergt meiner Meinung nach das Minimum an Rhythmusmelodie-Kenntnissen die jeder Musiker kennen und spielen können sollte.