Musik und ihre Pausen

Pausen werden oft nicht genauso wahrgenommen wie eine zu spielende Note. Dabei gäbe es ohne unsere schönen, vielen Pausen keinen Rhythmus, bzw. nur einen rezitierenden, wie er z.B. bei Meditation vorkommt. Wollen wir nur ein klein wenig davon abweichen, müssen wir eine Pause setzen. Unsere heutige Musik, Popmusik, Klassische Musik, Jazz usw. leben durch Noten und Pausen.

Ohne Frage, während einer Pause verstreicht Zeit, scheinbar unproduktive Zeit. Die Herausforderung für uns Musiker ist es, diese nicht hörbare Zeit mit Musik zu füllen! Bei meinen Schülern beobachte ich immer wieder, dass sie sich beim Spielen auf das Laute in der Musik konzentrieren und annehmen, dass dies die Musik ist, um die sie sich bemühen müssen. Eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Die lauten Schläge kommen von ganz allein, wenn die nicht vorhandenen Schläge richtig gespielt werden. Die nächste Frage ist dann wohl, wie eine Pause richtig gespielt werden kann? Rein technisch gesehen, und das wissen meine Schüler zur genüge, wird eine Pause mit Bewegung gefüllt. Musikalisch wird die Pause durch das Wissen und den Umgang mit Zeit des Spielers gefüllt. Ein Grund warum Balladen, langsame Musikstücke, schwierig zu spielen sind, ist, dass zwischen den einzelnen Schlägen, oder von Ton zu Ton, viel Zeit vergeht. Egal wieviel Technik oder Erfahrung der Spieler hat. Das Einlassen auf Zeit, das Einlassen auf langsame Zeit, ist die Kunst, Pausen zu spielen. Das ist sehr schwer. Viel schwieriger als schnelle Sechzehntel sauber zu spielen. Ich kannte einen Schlagzeuger, der vor Auftritten meditierte um sich innerlich auf die musikalische Zeit vorzubereiten. Denn in unserer heutigen Hektik braucht auch ein Könner des Instruments Zeit, um sich dieser, zumindest für Musik unnützen, hektischen Zeit zu entledigen.

Musik ist eine Zeitkunst und wer sich mit Musik beschäftigt, hat die große Chance, Zeit bewusst zu begegnen, aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten, und letztendlich Zeit geniessen zu können.

Durch Pausen entsteht Rhythmus. Noten und Pausen haben den gleichen Stellenwert.s

Bewegung und doch Pause
Bewegung und doch Pause

Schlagzeugunterricht in Berlin

Es treiben sich viele Schlagzeuger in Berlin herum. Und es werden immer mehr. Aus anderen Ländern und Kontinenten strömen sie in die Hauptstadt um hier als Schlagzeuger zu arbeiten. Berlin ist „billig“, zumindest im Vergleich zu anderen internationalen Metropolen. Und die Berliner Musikszene soll interessant sein. Darum gibt es viele Angebote für Schlagzeugunterricht in Berlin. Ob ein Schlagzeuger gut oder schlecht oder mehr schlecht als recht unterrichten kann ist für einen Anfänger schwer zu erkennen. Und gerade an den öffentlichen Musikschulen finden sich Lehrer, die zwar oft gute Performer sind, aber eigentlich keine Lust haben zu unterrichten und den Schlagzeugunterricht nur als Nebenverdienst ansehen. Gerade dort, in der Regel die erste Anlaufstelle für Familien, müssen sich die Lehrer ja gar nicht um Schüler bemühen und entsprechend ist der Unterricht. Wenn dann der Schüler oder sogar der Schlagzeuglehrer zu dem Schluss kommt, dass der Schüler kein „Talent“ hat, dann wird selten daran gedacht, dass es vielleicht einzig und allein am Schlagzeuglehrer liegt, der nicht erklären kann oder will.

Wie kann eine Anfänger herausfinden, ob er gerade einen guten Lehrer trifft? Dazu möchte ich ein paar Tipps geben:

– Ein guter Lehrer kann Noten lesen und möchte auch, dass der Schüler Noten lesen lernt. Noten sind wichtig, um den Rhythmus zu visualisieren und dadurch zu stabilisieren.

– Wenn ein Lehrer meint, es ist das Beste, wenn Ihr mit Ihm zusammenspielt, dann kann es sein, dass er am liebsten während Eurer Stunde übt.

– In jedem Fall muss Euch der Lehrer oder die Lehrerin beim Spielen beobachten, um mindestens die Haltung zu sehen und gegebenenfalls zu verbessern. Eine gute Haltung am Instrument ist nicht nur die halbe Miete fürs Spielen, sondern erspart Euch später spielbedingte Haltungsschäden.

– Viele Lehrer spielen mit Ihren Schülern genau das, was sie selbst gerade am meisten interessiert. Das ist leider meistens nicht das, was wichtig und richtig für den Schüler ist. Fragt nach einem Aufbau des Unterrichts, nach einem Unterrichtskonzept.

– Ein neues Instrument kann nur langsam erlernt werden. Es dauert eine Zeit, bis das Gelernte schnell gespielt werden kann. Ein guter Lehrer erkennt das nötige Tempo und hat auch die Geduld, langsam vorwärts zu gehen.

TECHNIK !

Instrumentaltechnik ist wichtig und je mehr ein Spieler davon hat, umso freier kann er das Instrument spielen. Auch mancher studierte Lehrer kennt sich mit der Technik nicht genau aus, wie ich vor kurzem wieder erfahren habe. Natürlich haben sie dann keinerlei Idee, wie Technik vermittelt werden kann. Doch auch für jeden Hobby-Instrumentalisten ist es wichtig, mit guter Technik zu spielen. Denn nur so wird er lange Jahre dem Instrument treu bleiben, weil er sich damit wohl fühlt. Also sollte Euer Lehrer regelmäßig mit Euch an der Technik arbeiten. Was Technik z.B. für das Schlagzeug ist, hatte ich schon in einem anderen Artikel erläutert. http://schlagzeug-berlin.de/schlagzeug-und-technik/

Wenn ein Lehrer Euch nur laut aufs Schlagzeug hauen lässt, ist es kein guter Unterricht.

Schlagzeugunterricht in Berlin

 

Buddy Rich

Es gibt so viel gute Musik und es gibt so viel gute Drummer. Rhythmus am Schlagzeug hat sich stilistisch und technisch seit Buddys Zeit weiterentwickelt und doch bleibt er unangefochtener König klarer Verhältnisse. Allerdings steht in Buddys Spiel neben Klarheit auch Sensibilität, guter Geschmack, Freude am Geben und Nehmen und eine Person, die sich kompromisslos der Musik unterwirft.

Buddys Eltern hatten eine Varieté-Bühne, auf der er mit 3 Jahren als „Magic
Drum“ begann, Schlagzeug zu spielen. Die Magic Drum war eine große Basstrommel hinter der Buddy komplett verschwand. Er spielte dann mit dem Fuß ein Bassdrumsolo und so enstand die Illusion, dass die Bassdrum allein spielte. Es muß ihm viel Spaß gemacht haben, denn er machte das Schlagzeug-Spielen zu seinem Beruf. Und er spielte nicht nur hervorragend Schlagzeug, sondern war auch Bandleader, Buchautor und Komponist.

Viele glauben, die Hauptaufgabe eines Schlagzeugers ist es, die „Time“ zu halten. Das stimmt nicht. Natürlich ist von den drei musikalischen Standbeinen, Rhythmus, Melodie und Harmonie, der Rhythmus die wichtigste Komponente für den Schlagzeuger. Allerdings, je überzeugender eine Band sein möchte, umso mehr verteilen sich die drei Gebiete auf alle Mitspieler. Das heißt, der Schlagzeuger muß genauso viel Harmonie und Melodie verstehen und spielen können, wie die anderen Rhythmus verstehen und spielen können müssen. Also angenommen, die drei Komponenten der Musik sind gleichberechtigt verteilt in einer Band: was ist dann die Hauptaufgabe für den Schlagzeuger? Das Feuer! Der Schlagzeuger muß, sprichwörtlich gesehen, den anderen Feuer unter dem Hint… machen. Es ist die Aufgabe eines Schlagzeugers, die Energie für das Feuer zu haben. Und das hatte Buddy Rich ganz bestimmt. Dabei kommt es nicht auf den Stil, nicht auf die Bandform oder die Mode an. Es ist das, was ein Schlagzeuger sich mit Technik, Musikalität und seiner Person erarbeitet. Und über das, was sich Buddy Rich erarbeitet hat, können wir uns nur freuen.

Also auch wer sich nicht so sehr, oder gar nicht für Jazz interessiert, sollte mal beim Hausputz Musik mit Buddy auflegen und die Energie wird auf den Putzlappen überspringen und er putzt von ganz allein….ähh nein, das wohl nicht…:)) aber auf Euch wird sie überspringen, davon bin ich überzeugt.

 

Effortless Mastery: Liberating the Master Musician Within

Effortless Mastery: Liberating the Master Musician Within (Müheloses Meistern: Befreie den Meister-Musiker in Dir) ist ein Buch mit CD von Kenny Werner, ein erfolgreicher amerikanischer Jazz-Pianist, Komponist und Ausbilder. Zu seinem Buch gehört eine CD mit meditativen Texten, die Kenny Werner selbst gesprochen hat. Ich habe diese CD oft während meines Studiums abgespielt… Ich möchte hier einiges aus seinem leider nur in Englisch erhältlichen Buch wiedergeben und kann es jedem empfehlen, der ein Instrument lernt, gelernt hat oder lernen möchte, es ganz zu lesen.

Egal ob Anfänger, Fortgeschrittene oder für professionelle Spieler, schnell wird klar, dass es beim Lernen eines Musikinstruments nicht immer nur harmonisch zugeht. Zweifel, Gedanken, Ehrgeiz, Neid, es gibt vieles was dem Fortschreiten am Instrument im Wege stehen kann. Effortless Mastery zeigt auf, was alles beim Lernen eines Musikinstruments entstehen kann. Was sind die Blockaden die uns abhalten, kreativ zu sein und mit Spaß und Erfolg unser Instrument zu spielen? Das Buch zeigt Wege auf, um selbstbewusster und professioneller zu spielen und zu sein. Seine Worte tun gut, nicht nur am Instrument sondern auch in allen anderen Bereichen des täglichen Lebens.

Kenny Werner erzählt z.B. von dem brasilianischen Pianist Joao Assis Brasil, der 8 Stunden am Tag übte. Durch dieses disziplinierte Üben spielte er zwar sehr gut, erlitt aber einen Nervenzusammenbruch…. Irgend etwas stimmte also nicht und er begab sich in Therapie. Er befreite sich von seinem eigenen Druck und konnte nach zwei Jahren erfolgreich als Pianist arbeiten. Als die beiden zusammen Horowitz hörten, konnte es Joao voll und ganz genießen, während Kenny Werner nur noch Gedanken hatte wie: „oh, der spielt so großartig… ich bin ja nichts im Vergleich…“ . Joao sagte dann: „BE KIND TO YOURSELF and please do practice the 5 minute excercise for 2 weeks“. Das sollte bedeuten, dass Kenny für 2 Wochen nichts weiter als für 5 Minuten eine kleine Fingerübung machen sollte. Kenny  bekam Panik und dachte, er würde in den 2 Wochen alles bis dahin Erreichte vergessen oder zumindest keine Fortschritte machen. Sich vorzustellen, nicht weiter an schwierigen Passagen zu üben, war ihm unerträglich. Doch in diesen 2 Wochen wurde ihm klar, dass er noch nie so viel und gut und so richtig geübt hatte wie in dieser Zeit. Vergessen hatte er nichts und er spielte nach diesen zwei Wochen „unvorbereitet“ auf einer Party:  „I was only observing, not doing!“

Im Buch enthalten sind auch ein paar sehr schöne Zitate von Keith Jarrett, unvergleichlicher Pianist und Musik-Innovator. “ Try to imagine the first musician. He was not playing for an audience, or a market, or working on his next recording, or touring with his show, or working on his image. He was playing out of need, out of his need for the music.“

zwei weitere schöne Zitate von Jarrett: „Every year the number of musicians who remember why they play music in the first place gets smaller“.

“ We see the world as bits of information and fewer and fewer musicians let us know who they are by the expression of music.“

Von Kenny Werner: „In fear, we expect; with love, we accept“. Just as fear pollutes the environment for creativity, it also inhibits effective study. The mind wreaks havoc, and the ego has a picnic. A fearful mind won’t allow you to concentrate and absorb“.

„As you play, there must be no intellectual interference. Intellect is good for picking out an instrument, teaching or getting to the gig on time. But it is not good for creating. Intellect has to surrender to instinct when it’s time to play. Wanting to play well and wanting to make an inner connection are often contradictory goals. Sometimes it  is absolutely necessary to allow yourself to play what your intellect calls „bad music“ so that the inner connection can be established.

„The point is: you too can have permission to believe in yourself – but that permisson has to come from you. No one will give it to you until they see that you already have it.“

„Mastery is playing whatever you’re capable of Playing… every time…. WITHOUT THINKING….“

Kenny Werner gibt dann auch konkrete Tips zum Erlernen von Technik und Entspannen mit Hilfe von Meditation und noch vieles mehr…..Und durch das Schreiben dieses Artikels stelle ich bei mir fest, dass ich das Buch wohl nochmals ganz durchlesen sollte.

 

 

 

 

 

 

Zürich Rave

Raveparty in Zürich
Raveparty in Zürich

Rein zufällig bin ich in diesem Jahr in das Züricher Rave-Fest gekommen. Mit einer mediterranen Altstadt und an einem großen See gelegen, empfinde ich Zürich als eine sehr schöne Stadt. Vom Zürichsee fließt die Limmat sehr schnell und unter sehr schönen Brücken an sehr schönen Häusern entlang. Genau hier hat eine große Raveparty am 1. und 2. August 2014 stattgefunden. Die Gassen und Brücken und Plätze um die Quaibrücke herum waren gut besucht und die Leute zogen, oft mit Bier in der Hand, von einer Ecke zur anderen. Die Leute wirkten, zumindest nachmittags um 4 Uhr, entspannt und durchweg nett und rücksichtsvoll. Ich weiß gar nicht mehr genau wie die Stimmung bei uns in Berlin war?

ZurichRave4Die ganze Zürich Rave-Veranstaltung hatte für mich etwas bizarres. So ein Menschenauflauf mit derber elektronischer Musik neben und zwischen all diesen altehrwürdigen Häusern….

Was würde dieser Bürgermeister wohl dazu sagen?
Was würde dieser Bürgermeister aus dem 15. Jahrhundert wohl dazu sagen?

Ich war nie ein Rave-Fan, Menschenmassen und Musik, die oft mit Hilfe von Drogen ertragen wird, ist nicht das, was mir gefällt ….Es gab allerdings auch eine Zeit, als ich an elektronischer Musik nicht vorbeikam und sie mich interessierte. Ich hörte z.B. gern Aphex Twin oder DJ Spooky. Inzwischen bin ich allerdings völlig von elektronischer Musik abgekommen. Elektronische Musik ist für mich inzwischen ähnlich wie die Telefon-Computerstimmen bei der Telekom. Und freut sich da irgend jemand nicht, wenn dann endlich ein echter Mensch durch die Leitung spricht?

Probieren geht ja bekanntlich über studieren und so habe ich sogar auch mal versucht am Schlagzueg mit einem Musiker, der mit Hilfe von Sounderzeugern spielte, Musik zu machen. Für mich ging das gar nicht. Obwohl Derjenige technisch gut ausgerüstet war und sehr schöne Sounds erzeugen konnte, war es mir unmöglich, mit der von ihm erzeugten elektronischen Musik in den Dialog zu treten. Und um Dialog, Kommunikation geht es für mich in der Musik.

Wo die wohl noch higesegelt sind ?
Wo die wohl noch hingesegelt sind ?

 

Schlagzeug und Technik

Was genau ist Schlagtechnik überhaupt ? Was genau bedeutet Technik für das Schlagzeug?

Um das Schlagzeug zu spielen, brauchen wir fast immer die Schlagzeugstöcke und hier fängt die Technik an. Hier bedeutet Technik: WIE wir die Stöcke halten und spielen. Technik ist WIE wir die Hände koordinieren, WIE wir mit den Händen den Stock schlagen. Was wir spielen ist Geschmack oder Wissen oder Lust und Laune, aber WIE wir es spielen können, bestimmt die Schlagtechnik, die uns zur Verfügung steht.

Damit ein Rhythmus am Schlagzeug „grooved“, brauchen wir eine gleichmäßige, effektive Bewegung. Um z.B. einen schön gleichmäßigen, gleichklingenden und gleichlauten Single-Stroke zu spielen (jede Hand schlägt den Stock abwechsend nur einmal) müssen wir die rechte und die linke Seite unseres Körpers optimal einstellen. Da auch die Arbeit der Hände von der Mitte des Körpers aus beginnt, beginnt auch unsere Schlagzeugtechnik  von der Mitte des Körpers.

Matched Grip Technik
Matched Grip Technik

Handtechnik „Matched Grip“. Matched Grip ist die jüngere Art die Stöcke zu spielen. Beide Hände halten den Stock auf die gleiche Art und Weise. Anfänger werden meistens mit dieser Schlagtechnik beginnen. Und im Rock und Pop Bereich ist Matched Grip inzwischen der Standard.

Diese Technik hat den Vorteil, dass wir gut sehen können, wie die rechte im Vergleich zur linken Hand den Stock spielt. Dadurch lässt es sich leichter daran arbeiten, die Hände anzugleichen. Den Nachteil sehe ich im melodischen Spiel, wie es in der Jazzmusik gebraucht wird. Hier empfinde ich das Spielen der Stöcke in unterschiedlicher Haltung als vorteilhaft, um die unterschiedliche Aufgaben der Hände deutlicher empfinden zu können.

Traditional Grip
Traditional Grip

Die traditionelle Haltung der Stöcke kam von der schrägen Stellung der Snare-Drum, als sie vor dem Körper hängend, im Gehen gespielt wurde. Damit der linke Arm nicht ständig in der Luft gehalten werden mußte, was anstrengend und nicht effektiv ist, wurde der Stock in der linken Hand anders gehalten als in der rechten Hand.

Aus der Marching-Tradition übernommen, wurde zu Beginn des Drum-Sets die Snare auch schräg gestellt. Mit der Entwicklung der Schlagzeugtechnik wurde die Snare dann mehr und mehr gerade aufgestellt. Dadurch war die traditionelle Haltung der Stöcke nicht mehr vorteilhaft und wurde von der  „Matched Grip“-Haltung als Haupt-Handtechnik abgelöst.

Es gibt noch andere Handtechniken, aber das sind die beiden meistgespielten! Selbstverständlich werden und können sie, je nach Person, mit der Übung und durch Erfahrung den eigenen Bedürfnissen angepasst werden.

Rock-Jazz und das Schlagzeug

Trommeln aus Guinea
Trommeln aus Guinea

Eine kleine Exkursion zur Entstehung des Schlagzeugs, wie es heute überall in der Welt als „Modern-Drum-Set“ bekannt ist: Durch die Verschleppung von Menschen aus dem westafrikanischen Kontinent in die USA kamen auch westafrikanische Trommeln und dazu die hochentwickelte Rhythmik der Westafrikaner dort an. Betrachten wir z.B. die Trommelgruppe aus Guinea, sind die Parallelen zum heutigen Drum-Set unverkennbar: Die Basstrommel bleibt Basstrommel, die Begleittrommeln sind die Tom-Toms, die Glocken und ihre Aufgabe finden sich in den Cymbals wieder und die Solotrommel, die Djembe, stellt die Snaredrum dar.

Anfänglich wurden die Instrumente von den Musikern der berühmten Marching-Bands in New Orleans einzeln getragen. Als die Musiker anfingen, sich in Tanzsälen hinzusetzen, wurden die einzelnen Instrumente nach und nach so zusammengesetzt, bis das heutige Schlagzeug entstand und es nur noch einen Musiker brauchte, den Schlagzeuger.

Musikalisch entwickelte sich das Schlagzeug über die „Field Holler“, den Gesang von afrikanischen, versklavten Feldarbeitern. Dieser Gesang war ausschlaggebend für die Entwicklung des amerikanischen Blues und mit dem Blues kam der Jazz. Mit dem Jazz kam das Schlagzeug. Und erst aus dem Jazz entwickelte sich die Rock-Musik. Für das Schlagzeugspiel kam also zuerst die Jazzmusik und dann die Rockmusik! Das Schlagzeug setzte sich so gut durch, dass es sich ständig weiter entwickelte; musikalisch wie technisch. Die Kessel und auch die „Hardware“ werden ständig verbessert und den Anforderungen angepasst. Mit dem Aufbau wird experimentiert und heute kann sich jeder nach persönlichem Geschmack sein Schlagzeug so zusammensetzen wie er oder sie es braucht. Als in den 70er Jahren der Rock-Jazz vorangetrieben wurde, hatte das Schlagzeug schon alle Stile in sich vereint und wurde so zu einem vollwertigen Mitglied in der Musik.

An meinem Drum-Set. Klein aber fein!
An meinem Drum-Set

Rock-Jazz und John McLaughlin

Der englische Gitarrist John McLaughlin wurde von dem brillianten Schlagzeuger Tony William nach New York geholt, wo er 1970 u.a.mit Miles Davis auf dessen LP Bitches Brew spielte. Ein Jahr später gründete er das Mahavishnu Orchestra. Dazu gehörten der Geiger Jerry Goodman, der Bassist Rick Laird, am Schlagzeug Billy Cobham und der großartige Pianist Jan Hammer. Diese Formation trieb die Entwicklung der Musik zwischen Jazz und Rock noch weiter voran und spielte 3 LP’s ein. Aber schon Ende 1973 trennte sich die Band wegen persönlicher und musikalischer Differenzen. Allerdings führte John McLaughlin sein Orchester in anderer Besetzung fort. U.a. spielte jetzt Jean-Luc Ponty die Geige. Das Mahavishnu Orchestra fand in der damaligen Musikwelt große Beachtung. Die Musik wurde überwiegend von John geschrieben aber auch andere Musiker durften ihre Kompositionen beisteuern. Insgesamt ist die Musik vielschichtig, beim Improvisieren ungewöhnlich eng miteinander verbunden, und experimentiert in alle möglichen Richtungen des Zusammenspiels. Mir gefällt aber besonders gut der „Drive“ in der Musik. Ich denke, dass John McLaughlin sehr verantwortlich für diesen speziellen Drive war. Billy Cobham und die anderen passen meiner Meinung nach, aber genau deswegen so gut zu ihm.

Dieser Artikel zu Rock-Jazz soll nur ein Anstoss sein, eine Erinnerung an einen großartigen Musiker.

Rock-Jazz und Chick Corea

Chick Corea entwickelte seinen eigenen unverkennbaren  Keyboard Sound und wurde als Pianist und Keyboarder durch seine Mitarbeit auf Bitches Brew von Miles Davis bekannt. 1975 brachte er mit seiner Band „Return To Forever“ die LP „No Mystery“ heraus. Im Gegensatz zu Bitches Brew ist seine Musik auf dieser LP, meiner Meinung nach, eher „konstruiert“. Was ich in keiner Weise bewerte, es ist einfach eine andere Perspektive auf die Musik. In seinen Arrangements werden gemeinsame schnelle Läufe und gemeinsame Akzente gesetzt, die vorher festgelegt wurden. Den Bass spielte Stanley Clark, Al DiMeola die Gitarren, Lenny White Drumset und andere Perkussion. Es lohnt sich auf jeden Fall die Musik oft anzuhören. Sie ist einfach zu gehaltvoll, als dass sie sich bei einem Mal Anhören verstehen lässt. Lange Zeit verstaubte diese LP in meinem Regal und jetzt bin ich richtig froh, dass ich sie durch das Schreiben auf meinem blog wieder auf dem Plattenspieler liegen habe und anhöre.

 

Mein Artikel soll nur ein Anstoss sein, eine Erinnerung. Es gibt unzählige Artikel zu Return To Forever und Chick Corea im Internet. Wer mehr erfahren möchte, geht auf die Suche nach ausführlichen Artikeln.

 

 

Rock-Jazz und Miles Davis

Rock und Jazz = Miles Davis. Miles Davis war meiner Meinung nach einer der  innovativsten Musiker aller Zeiten und ich empfehle jedem Musiker und Musikliebhaber seine Biographie zu lesen. Heute möchte ich ihn als Innovator des Rock-Jazz vorstellen. 1970 erschien sein Doppel-Album Bitches Brew und katapultierte den Rock-Jazz in ungeahnte Höhen. Miles spielte mit einer elektrisch verstärkten Trompete und setzte auch sonst meistens elektrische Instrumente ein. Mitmusiker waren u.a. der unvergleichliche Wayne Shorter am Saxophon, die Virtuosen Chick Corea und Joe Zawinul spielten Keyboard, John McLaughlin die Gitarre, der grandiose Dave Holland spielte den Bass und die Stöcke hielt der wunderbare Schlagzeuger Jack DeJohnette nicht für eine Sekunde still in der Hand. Neben dem eher aus der Rock-Musik kommenden binären rhythmischen Ausdruck, kam aus dem Jazz  die volle Ladung Improvisation dazu. Viele Musiker hatten zu der Zeit und auch schon vor 1970 damit experimentiert, Jazz und Rockmusik miteinander zu verbinden. Allerdings ist es niemandem auf so hohem Niveau gelungen wie Miles Davis.

Mein Artikel soll nur ein Anstoss sein, eine Erinnerung. Es gibt unzählige Artikel zu Bitches Brew und Miles Davis im Internet . Wer also mehr erfahren möchte geht auf die Suche nach ausführlichen Artikeln. Und davor ist es das Beste, sich die Musik anzuhören.