Bossanova

Bossanova ist ein Musikstil, der in Brasilien entwickelt wurde. Antonio Carlos Jobim (1927-1994), ein Gitarrist, Pianist, Komponist und Sänger der Brasilianischen Musikszene in Rio De Janeiro ist ein Musiker der maßgeblich an der Entwicklung und der Verbreitung des Bossanova beteiligt war.

Samba, Bossanova

Vor dem Bossanova war Samba ein weit verbreiteter Musikstil in Lateinamerika. Samba ist ein sehr alter traditioneller Groove und wurde und wird immer weiter entwickelt. Samba ist grundsätzlich ein sehr schneller Beat, der darum in halben Noten gefühlt und gespielt wird. Samba wurde und wird über eine flexible Clave gespielt, das ist besonders in modernen Kompositionen nicht immer eindeutig zu hören, da die Samba-Clave sehr große Spielräume zulässt.

In den späten 1950er Jahren änderte sich die Stimmung in der gebildeten Mittelschicht rund um die Copacabana in Rio de Janeiro. Es wurde nach einem neuen, ruhigeren Musikstil zwischen Jazz und Samba gesucht. Der Bossanova entstand und als erstes Bossa-Nova Lied gilt Chega de Saudade, geschrieben von A.C. Jobim und Vinicius de Moraes (1913-1980) , ein Dichter und Sänger der auch der Musikszene Rio de Janeiros angehörte .

Was genau defeniert nun den Bossanova?

Im Gegensatz zur Samba wird der Bossanova nicht mit Clave, das ist ein weitestgehend feststehender Rhythmus über die die Musik gespielt wird, gespielt. Auch wenn das in manchen Schlagzeugbüchern anders dargestellt wird, Bossanova ist wie der Jazz eine Improvisationsmusik und hat keine Clave an die sich die Improvisation halten muß. Und der Bossanova ist langsamer als Samba. Während Samba oft bei Halben von 210 Beats per Minute gespielt wird, gilt ein Bossanova schon als schnellerer Rhythmus wenn die Viertel 180 bpm betragen, also die Halben sind dann im 90 bpm Tempo.

Bossanova wird meist in Achteln gespielt, im 4/4tel-Takt und als zweitaktige Phrase. Von der Samba hat der Bossa die Schwerpunkte der halben Note übernommen, die sich in der Fußbegleitung wieder spiegelt, und den binären Rhythmus. Der Jazz hat seine Harmonik beigetragen.

Wie schon erwähnt ist auch der Bossanova eine Improvisationsmusik und hat somit kaum Grenzen in der Gestaltung. Natürlich sollte immer noch der Stil zu erkennen sein, denn sonst haben wir freie Improvisation.

Es gibt aber einen Beginner-Bossa-Nova, bzw. einen Bossa-Nova-Rhythmus, der immer wieder in Schulbüchern auftaucht und den auch ich mit meinen Schülern als erstes erlerne. Er ist definitiv ein Groove für Fortgeschrittene denn die Koordination ist schon recht anspruchsvoll.

Das ist der Schul-Bossa-Nova

Der Fuß spielt den Bass auf 1 und 3 und dazu die + davor, als 1, 2+, 3, 4+, usw…

Die Hi-Hat spielt mit der Wipp-Technik auf 2 und 4, dass sind die Jazz-Off-Beats.

Das Ride-Cymbal, bzw. der Schlagzeuger, spielt alle Achtel auf dem Ride Cymbal und auf dem Rim der Snare wird die sogenannte „Bossanova-Clave“ dazu geschlagen. Die Schläge sind im ersten Takt auf 1, 2+, 4 und im zweiten Takt auf 2, 3+. Die Takte können auch vertauscht werden wenn die zu begleitende Melodie er verlangt.

Basic Jazzbeat

Jazzmusik und das Schlagzeug sind praktisch gleichzeitig entwickelt worden. Über den Field-Holler, ein Bluesgesang der nach Amerika verschleppten Sklaven, zum Blues, mit der Gitarre als wichtigstes Instrument neben der Stimme, kam das Schlagzeug und der Jazz. Der Jazz war der erste Musikstil den das moderne Schlagzeug, im amerikanischen Modern-Drum-Set genannt, begleitet hat.

Schlagzeuger Mel Lewis Mel Lewis, einer der großen Schlagzeuglegenden (1920-1990)

Seit dem Beginn von Schlagzeug und den ersten Jazzbeats hat sich diese Musik und auch das Instrument rasant entwickelt. Immer wieder wurden neue Jazz-Stile entwickelt doch niemals hat sich einer der Stile dabei selbst überholt, bzw. wurde nicht mehr gespielt. Der Jazz baut sich auf der Jahrtausendealten traditionellen afrikanischen Musik auf und ist mit uns Menschen fundamental verbunden.

Das Schlagzeug wuchs mit den Anforderungen der sich immer weiter entwickelnden Jazzsprache mit.

Schlagzeug Roadie’s für das Berliner Jazzfest

Wer allerdings anfängt Jazzrhythmen zu erlernen, kann auch schon bald mit weniger Koordination und Technik, Jazzmusik spielen. Vorrausetzung dafür sind allerdings ternäre Rhythmuskenntnisse, denn darauf baut sich Jazzmusik im mittleren Tempibereich auf.

Was sind also die instrumentalen Bestandteile eines einfachen Jazzbeats? Es ist das Ride Cymbal, die Hi-Hat, die Snaredrum und am allerbesten noch die Bassdrum. Wobei jedes einzelne Instrument einen eigenen Rhythmus spielt.

Das Ride-Cymbal ist das Wichtigste Instrument für den Jazz. Im Prinzip werden die vier Viertel darauf gleichmässig gespielt, also die 1,2,3 und die 4. Dazu kommen noch die 2+ und die 4+ als letztes Triolenachtel in dem entsprechenden Viertel dazu. Gesamt wird dann so gezählt und gespielt. 1, 2+,3,4+ usw… Die technische Schwierigkeit ist nun die Viertelschläge 1,2,3,4 weiterhin in der gleichen Intensität zu spielen. Dazu braucht es die richtige Technik und Zeit diese einzuüben.

Als nächstes spielen wir gleichmäßig die Hi-Hat auf 2, und 4, dazu. Das kann sehr gut mit der Wipptechnik ausgeführt werden. Bei 1 ist der Hacken unten und die Hi-Hat auf, bei 2 treten wir den Fußballen durch und schließen so die Hi-Hat. Bei 3 und 4 wird das ganze wiederholt. Auch hier ist eine gleichmäßige Bewegung wichtig.

Damit allein kann schon ein Jazzstandard im Anfängerbereich begleitet werden!

Zu diesem Basic-Jazzbeat können wir mit der Snaredrum  die 4 akzentuieren. Am besten geschieht dies als Rimshot. Das Heißt, wir „klicken“ mit der Länge des Stocks auf dem Spannreifen der Snare-Drum.

Wer jetzt noch etwas Koordination übrig hat, kann das Ganze mit „Four to the Floor“, mit der Bassdrum begleiten. Das bedeutet, dass alle Viertel leise mit der Bassdrum dazu gespielt werden. Hierbei ist es super wichtig, und das ist auch die Schwierigkeit dabei, gleichmäßig und „superleise“ die Bassdrum als begleitenden Puls anzuschlagen und nicht als Akzent zu spielen.

 

TaKeTiNa

Reinhard Flatischer Portrait sw.jpg Reinhard Flatischler ist ein studierter österreichischer Musiker, der nach seinem Studium  an der Wiener Musikuniversität auf reisen ging und auf verschiedenen Kontinenten Perkussion und die entsprechenden Trommeln intensiv studierte. Dabei entdeckte er wie wertvoll die uralten Lernkonzepte der indischen musikalischen Hochkultur sind.

Um sie auch dem westlich geprägten Menschen näher zu bringen entwickelte er seine TaKeTiNa-Rhythmuspädagogik. Dabei schwächte er  die Rhythmuskonzepte der indischen Musik ab um sie für uns Europäer zugänglich zu machen.

Unser westliches Verständnis für Musik ist überwiegend von der Melodie geprägt und immer noch neigen wir dazu den Rhythmus zu vernachlässigen. Auch unsere Lernkonzepte für Rhythmus an den Musikschulen und Universitäten sind noch ausbaufähig. Ganz anders in den Hochkulturen traditioneller Musik, wie z.B. auch die indischen Musik. Dort gibt es excellente Lernwege, do dass die Musiker die schwierigen Rhythmusstrukturen bewältigen können. In der indischen Musik werden diese  Tala (Taktarten im weitesten Sinn). Wobei in dieser Musik der Tala und die dazu gehörigen Ragas (Tonleiter im weitesten Sinn) Hand in Hand gelernt werden. Auch die Zuhörer und Liebhaber indischer Musik kennen die Rhythmen und die dazugehörigen Melodietöne ganz genau.

Der „Trick“ um uns westliche und zu sehr im Geist verhaftete  Menschen an Musik und Rhythmus heranzuführen, besteht nun darin, unseren Geist und unseren Körper häppchenweise wieder zusammenzuführen. Der Vermittler dabei ist unsere Stimme und mit Hilfe von Silben wie z.B. Ta Ke Ti Na und anderen fällt es uns leichter, den im Kopf vorgestellten Rhythmus, auch körperlich auszudrücken. Das ist im Prinzip genau wie das Solfege, Do Re Mi Fa So La, für die Melodie. Was auch ganz hervorragend funktioniert.

Der Rhythmuspädagoge Flatischler hat zu seinen umgewandelten indischen Rhythmuskonzepten auch eine ansprechende Verpackung gefunden: „TaKeTiNa ist eine der effektivsten Lernmethoden unserer Zeit. Es aktiviert menschliches und musikalisches Potential durch einen sinnlichen musikalischen Prozess. TaKeTiNa vermittelt Rhythmus, wie der Mensch ihn von Natur aus am besten erfassen und lernen kann: er führt direkt zur körperlichen Erfahrung rhythmischer Urbewegungen und zu den rhythmischen Grundbausteinen, auf der jede Musik der Welt aufbaut. Der Körper ist das Musikinstrument, die Begegnung mit Rhythmus ist daher entsprechend direkt und intensiv.“ So steht es auf seiner Homepage geschrieben. Dies trifft natürlich immer zu wenn ein Mensch sich mit Musik beschäftigt, Musik erlernt. Ganz egal nach welcher Methode und wie er vorankommt. Auch seine psychischen Aspekt die er anführt wie z.B. „einen kreativen und effektiven Umgang mit Chaosphasen“ oder „das Auflösen der Angst einen Fehler zu machen“ werden immer ein Teil von einem musikalischen Lernprozess sein.

Das er sich nun einen uralten Wachstumsprozess des Menschen, nämlich der ständigen Erweiterung von Koordination, als Markenzeichen hat eintragen lassen, finde ich befremdlich, ist aber sicher ein Zeichen von Geschäftstüchtigkeit.

Auch betont er auf seiner Homepage wie sich seine Methode auf Probleme des Alltags, z.B. „einen kreativen und effektiven Umgang mit Chaosphasen“ oder „das Auflösen der Angst, einen Fehler zu machen“ , positiv auswirken. Wer immer Rhythmus lernt wird auf die gleichen Inhalte treffen wie sie in den TaKeTiNa Workshops beigebracht werden. Auf die eine oder die andere Art müssen Schwierigkeiten dabei bewältigt werden. Darum entwickeln sich Menschen weiter.

Trotz all dem Hype um diese Methode, ist es natürlich immer gut wenn Menschen andere Menschen für Rhythmus und Musik begeistern können. Und klar, wer das nötige Kleingeld dafür hat, der kann natürlich gern auch diesen Weg nehmen, denn schlecht ist dieser Weg sicherlich nicht.

 

Der Jazz und seine Musiker

Es gibt und gab immer wieder Ausnahmetalente, die die Jazzmusik vorangetrieben, und auch mit ihrer Person, bzw. durch Ihre Persönlichkeit, geprägt haben. Jazzmusik ist nicht nur eine hörbare Kunst, sondern verbirgt auch Philosophien für das Leben. Und natürlich haben die hochkarätigen und international bekannten Jazzstars immer mal wieder ihre Philosophien in Worte gepackt. Einige von diesen Weisheiten wurden für das Jazzfest in Berlin 2017 gesammelt und abgedruckt. Hier möchte ich sie für meine Leser wiedergeben.

Thelonious Monk, gestorben am 17. Februar 1922,  war Pianist und Komponist mit außergewöhnlichem Klang und Ideen. Eines seiner meistgespielten Blues ist Blue Monk. Er war auch ein Mitbegründer der Stilrichtung BeBob und sagte : „I say, Play your own way. Don’t Play what you want and let the public pick up on what you’re doing, even if it does take them fifteen, twenty years.

Dave Brubeck starb am 5. Dezember 2012 und war Pianist und Bandleader des Dave Brubeck Quartetts, das eines der langlebigsten Jazzbands in der Musikgeschichte a´war. Seine Band  wurde 1951 gegründet und hielt bis zu seinem Tod. Als Komponist komponierte er das legendäre Thema Take Five im 5/4tel-Takt. Er meinte: „Ther’s a time when you are beyond yourself, better than your technique, better than your usual ideas.“

Duke Ellington lebte von  1899 – 1974. Er war Pianist und u.a. bekannt durch seine Big Band Arbeit. Er komponierte einige der wichtigsten Jazz-Themen wie Take The A-Train, In A Sentimental Mood und It Don’t Mean A Thing. Er meinte: „Jazz is a good barometer of freedom. In it’s beginnings, the United States of America spawned certain ideals of freedom and independece through which, eventually, jazz was evolved, and the Music is so free that many People say it is the only unhapered, unhindered expression of complete freedom yet produces in this country.“

Wayne Shorter, inzwischen 84 Jahre alt ist neben Coltrane und Sonny Rollins einer der wichtigsten Saxophonisten und Leader im Jazz. Als Komponist trug er den viel gespielten Jazzstandard Footprints, bei. Seine Kreativität und Erfindungsgabe in Bezug auf Improvisation, Harmonie und Sound ist bis heute ungebrochen: “ Music should not have any mandates.Jazz is not something that is required to Sound like jazz.“

Miles Davis starb am  28. September 1991. Als Trompeter, Komponist und Mitbegründer vieler neuer Jazz-Stile, spielte eines der meistverkauften und gehörten Jazz-CD’s , Kind Of Blue, ein. „I never thought jazz was meant to be a Museum Piece like other dead things once considered artistic.“

Der Trompeter Don Cherry, starb 1995 und war Teil der Free Jazz Szene. U.a. gehörte er dem legendären Quartett von Ornette Coleman an. Bekannt wurde er auch durch sein Spiel auf der Taschentrompete. “ When People believe in boundaries, they become part of them.“

Jazzfest Berlin 2017 – Abschlusskonzerte

Am Sonntag 5. November 2017 war der letzte Abend des Berliner Jazzfests im Haus der Berliner Festspiele. Zu hören und zu sehen war u.a. wieder Tyhawn Sorey. Diesmal dirigierte er nach seiner speziellen Methode zwanzig in Berlin ansässige Musiker.

perkussion Ensemble d-drums

Ziel sollte es sein zwar eine Organisation zu haben, doch größtmögliche Freiheit bei der Improvisation zuzulassen. Die von ihm angewandte Methode wurde von Anthony Braxton und dem inzwischen verstorbenen Lawrence D. „Butch“ Morris, eingeführt. Es geht darum mit jedem und jeder, jederzeit und überall musizieren zu können und das unabhängig von Stil und Tradition der Musiker und Musikerinnen. Und es sogar möglich ist mit dieser Methode mit Kindern und ungeübten gute Musik machen zu können. Diese besondere Methode enthielt z.B., wie auf dem Bild Zu sehen, mehrere Dirigentenstäbe zu einer Figur zusammengestellt und Tyshawn schrieb ab und zu etwas auf ein weißes Blatt Papier und hielt es dann für die Musiker hoch.

Schlagzeugschule d-drums

Für das Jazzfest wurden dann allerdings doch lieber hochkarätige Musiker wie z.B. Uli Kempendorf am Saxophon und Klarinette, Anke Luchs an der Posaune oder Nikolaus Neuser an der Trompete, eingeladen. neben Blasinstrumenten gab es ein Akkordion, Perkussion, Stimme, Laptop und exotische Instrumente wie Kamancheh und Guzheng. Als Projekt interessant, bin ich nicht sicher ob das Ergebnis wirklich seinen richtigen Platz auf dem Jazzfest gefunden hatte.

Bei dem zweiten Konzert an dem Abend ging es schon Jazziger zu.

Die beiden Schwestern Ingrid Jensen, Trompete und Christine Jensen am Saxophon spielten im Quintett mit Bass, Gitarre und Schlagzeug, Eigenkompositionen in schöner Manier ala Gil Evans, Paul Bley, Kenny Wheeler und Diana Krall. An der Gitarre hatten die Schwestern keinen geringeren als Ben Monder engagiert. Der in New York geborene Gitarrist Ben Monder wirkte bei Aufnahmen von Jim Black und Paul Motion mit und spielte auf auf David Bowies letztem Album „Blackstar“. Insgesamt ein rundes, gelungenes Jazzkonzert.

Der Höhepunkt des Abends und der zweite neben Dr. Lonnie Smith, war ganz sicher John Beasley’s MONK’estra.

Für dieses Bigband-Ensemble wurden hochkarätige, international bekannte Musiker-Stars, wie z. B. Till Brönner, Rashawn Ross und Lars Lindgren an der Trompete,  Francisco Torres, Simon Harrer, Johannes Lauer an den Posaunen und Bob Sheppard, Greg Tardy, Joris Roelof, Magnus Lindgren und Florian Leuschner an den Saxophonen. Am Kontrabass spielte der hervorragende Ben Shepherd und an den Drums heizte der fantastische Terreon Gully dem Ensemble und dem Publikum, ein. Dementsprechend ging dann auch die „Post ab“. Im Gegensatz zu deutschen Bigbands die sich erst immer ein wenig auf der Bühne einspielen müssen, war bei MONK’estra die Energie beim ersten Ton und ersten Rhythmusschlag, da. Thema der Band war natürlich Thelonious Monk , der mit Blue Monk auch weniger jazzinteressierte, erreichte. Dieser Blues wurde dann auch zur Freude aller, als Zugabe gegeben. Der Bassist spielte einen 6-Seitigen E-bass oder Kontrabass, der Drummer präsentierte einen tollen Bigband Sound. Die Band hatte Spaß und machte Spaß und spielte Kompositionen wie z.B. Evidence auf höchsten Niveau.

 

Wer das Konzert verpasst hat, sollte es sich beim nächsten mal nicht entgehen lassen.

Dr. Lonnie Smith Jazzfest Berlin 2017

Am Samstag Abend des Jazzfests 2017 spielten drei Bands auf der Hauptbühne im Haus der Berliner Festspiele. Die erste Band war ein Quartett mit dem Namen Empirical. Die Band war besetzt mit Nathaniel Facey am Altsaxophon, Lewis Wright am Vibraphone, Tom Farmer am Kontrabass und am Schlagzeug saß Shaney Forbes. Empirical sind vier adrette Männer aus England die souveränen Mainstream-Jazz spielten. Zu hörenwaren  Eigenkompositionen, u.a. auch ein Stück des Kontrabassisten Tom Farmer, „Destruction Tactic“.

Der Saxophonist Nathaniel Facey hatte einen sehr coolen Sound und spielte facettenreiche Soli. Diese Band war ein sehr guter Einstieg in den Abend.

Die Band des Gitarristen Nels C. Cline war etwas größer und bestand aus 15 Musikern und dem Dirigenten Michael Leonhart.

Gute Schlagzeuglehrerin inf Berlin finden

Das Ensemble hatte einen angenehmen Sound, dass eher spacig und weniger Jazzig war und wozu sicher die Auswahl der Instrumente beigetragen hat. Es erklangen zwei Gitarren, drei Trompeten, Drums, E-Bass, Harfe, Cello, Posaune, Violine, Fagott, English Horn, Klarinetten, Vibraphon, Marimbaphon und ein Tasten-Keyboard. Gespielt  wurde ein Repertoire aus Jazzstandards und Eigenkompositionen.

Guter Schlagzeuglehrer in Berlin finden Michael Leonhart dirigierte mit Weste und Hut und  um den Takt vorzugeben schlug er sich auf die Brust. Musikalisch trug er filigrane Arrangements zwischen Kammerorchester, American Songbook und Kompositionen großer Jazzmusiker, dazu bei. Die Stücke waren kurz mit wenig Improvisation. Insgesamt eine schöne moderne Klangmalerei bei der es sich gut träumen ließ.

 

Gute Schlagzeugschule finden

Das Dr. Lonnie Smith Trio war sicher das Highlight der Veranstaltung. Der inzwischen schon 75 Jährige Hammondorgel Spieler wurde auch schon mal als „in einen Turban gewickeltes Rätsel“ bezeichnet. In sein Trio brachte er den hervorragenden Gitarristen Jonathan Kreisberg, der mit einem unvergleichlich schönem und innovativem Sound spielte, und den ebenso fabelhaften wie jungen Johnathan Blake mit.

Orgeltrio Meistertrommler, super drummer

Vom ersten Ton und schon lange vor Ende des ersten Taktes hatte die Band sich gefunden und spielte in typisch amerikanischer Manier mit tollem kompromisslosem Sound und Tempo.

Dr. Lonnie Smith hatte neben seiner Hammond Orgel auch noch einen Laptop dabei und einen Gehstock, der später zu einem Bassstick werden sollte. Aber vor allem wie er uns Zuhörer durch die Themen führte und Rhythmisch und Dynamisch unvorhersehbar war, hat mir viel Freude bereitet. Auf einem weiteren kleinen Keyboardinstrument, dass auf seiner Orgel stand, zitierte er Miles Davis und auch das tat er wunderbar. Mit seinem Gehstock begleitete er als Bassist zur Freude aller, Schlagzeug und Gitarre bei einem funkigen Thema.

Der Schlagzeuger brauchte dann nur noch sein Feuer dazuzugeben, was er auch im wahrsten Sinne des Wortes tat, um aus dem Konzert ein unvergessliches Musikerlebnis werden zu lassen.

Wer Musik liebt und das Konzert verpasst hat, sollte beim nächsten Mal dabei sein.

Michael Wollny-Solokonzert Jazzfest 2017

jazzplakat, berliner jazzfest17 Am Freitag Abend des Jazzfestes 2017 in Berlin konnte der Pianist Michael Wollny sein Können als Solopianist hören und sehen lassen. Mit dem Sehen hielt es sich so in Grenzen, denn die Bühne war mit minimaler Beleuchtung in Blau getaucht. Dafür ließ es sich aber umso besser hören. Michel Wollny hat die Musik wirklich gut erklingen lassen. Neben gewaltigen, aber auch coolen Klangergebnissen, die nicht einem Stil zugeordnet werden können, und ich mal behaupte, dass dies der ganz persönliche Sound-Stil von dem erst knapp 40 Jahren jungen Pianisten ist, zitierte er Stile wie New Orleans, ernste Musik, Jazz und Pop.

Das erste Stück ging ziemlich lang und war frei Improvisiert. Ob es evtl. eine „Vorkomposition“ als Vorlage gab, war nicht zu erkennen. Die Art der Improvisation und auch die Bewegungen am Piano ließen etwas an Keith Jarrett erinnern. Aber wen sollte das wundern, denn schließlich ist er ja nun auch ein Pianist…

Das zweite Stück lehnte sich an Franz Schuberts Komposition mit dem schönen Titel die Nebensonne, an. Die Improvisation dazu war sehr intelligent gelöst und in Michalel Wollny’s Manier natürlich mit sehr guter Technik gespielt. Er ließ die Komposition Zeitlos erscheinen, bzw. verwandelte die Nebensonne in einen Regenbogen der den Horizont umspannt. Und was mir beim ersten Stück ein ganz klein wenig gefehlt hat, nämlich eine Ruhe in der Zeit, kam hier besser zur Geltung. Vielleicht weil wir Deutschen letztendlich doch mit der ernsten Musik aufwachsen und sie uns deshalb vertrauter ist?

Die dritte und letzte Improvisation war dann auch sehr schön und hatte einen frischen, angenehmen und „poppigen“ Klang. Die Zeit mit Michael Wollny ist schnell vergangen und auch als Person überzeugte er bei seinen kleinen Ansprachen.

jazzpianist wollny

Das Zweite Konzert gab die Band um den kalifornischenTrompeter Ambrose Akinmusire.

jazzmusic, jazzfestival berlin, 2017Ambrose Akinmusire gilt als einer der herausragenden Jazzmusiker des 21. Jahrhunderts, und das zu recht. Sein Projekt, das eigens für das Jazzfest geschrieben wurde, galt einer Afro-Amerikanischen Frau die sich 1939 in einem Staatsgefängniss am Missishippi befand. Von Ihr gibt es vier Lieder die von einem Musikwissenschaftler im Zuge einer Forschungsreise aufgenommen wurden. Diese Aufnahmen wurden von der Band in die Kompositionen aufgenommen.

Das erste Stück war Grandios. Mich persönlich hat es umgehauen wie selbstverständlich und unmissverständlich das sehr ungewöhnliche Klangergebnis präsentiert wurde. Neben der typisch afrikanischen Intonation des Gesangs der oben genannten Frau, intonierten auch die Musiker in afrikanischer Manier. Hierbei verschmolz die Zeit zwischen Tradition und Moderne zu einem gemeinsamen Ziel. Dieses konnte sich der Zuhörer, wie es das Schöne ist bei Musik, selbst aussuchen….

 

 

Eröffnungskonzert Jazzfest Berlin 2017

Berliner jazzfest 2017 Am Donnerstag Abend begann das Berliner Jazzfest 2017 im Haus der Berliner Festspiele. Wie ich schon berichtet hatte, gibt es in diesem Jahr einen „Artist in Residence“ und dieser ist der Schlagzeuger, Komponist und Perkussionist, Tyshawn Sorey. Er eröffnete mit seinem Trio das Abendkonzert. Mit dabei waren Cory Smythe am Flügel Cory Smythe - Tyshawn Sorey Triound Chris Tordini am Kontrabass.

Eröffnungskonzert Das Equipment des Schlagzeugers war riesig. Er hatte sich ein Drumset mit vielen Cymbals und einem großen Gong aufstellen lassen, dazu eine Orgel, ein Vibraphon, dass nicht zu sehen aber zu hören war und noch einen größeren Gong als das am Schlagzeug, das hinter und seitlich neben den anderen Instrumenten stand.

Als Musik war „experimenteller Jazz“ zu hören. Der Pianist und Bassist hatten zwar Noten, die auch regelmäßig umgeblättert wurden, aber letztendlich war die Musik zwischen den Anhaltspunkten frei Improvisiert. Tyshawn lief dann auch zig mal um und zwischen den Instrumenten hin und her.

Es gab keine richtige Pause zwischen den Stücken sondern die Musiker haben gleitende Übergänge geschaffen. Zu Beginn spielte der Pianist eine sich ständig wiederholende Phrase, danach kam der Bassist auf die Bühne und begann zu spielen, dann der Schlagzeuger. Ich würde mal sagen, dass die Band alle musikalischen Register während des Konzerts gezogen hat. Obwohl die Musik wirklich gut gespielt war, freute sich das Publikum über ein klingelndes Handy genau zwischen zwei Stücken. Es war ein schönes altes Telefonklingeln, dass das Publikum hörbar erheiterte. Insgesamt ein gutes Konzert, allerdings weiß ich nicht ob es unbedingt der beste Einstieg in das Jazzfest war.

Das zweite Konzert an dem Abend wurde dann von der NDR BigBand gespielt.

Geir Lysne – NDR Bigband

Die Leitung hatte der bekannte norwegische Saxophonist, Komponist, Arrangeur und Dirigent Geir Lysne. Die Kompositionen des heutigen Abends hat er extra dafür geschrieben und sie wurden an dem Abend uraufgeführt. Die Musik spiegelt die Betrachtung dessen wieder, was Norwegen im musikalischen Zusammenhang des Jazz, geleistet hat.

Jazzfest Berlin 2017

Schlagzeug lernen leicht gemacht

Ab Dienstag dem 31. Oktober 2017 ist es wieder so weit. Das Berliner Jazzfest beginnt. In diesem Jahr wurde ein Artist-in-Residence erkoren. Es ist der in New York ansässige Schlagzeuger, Komponist und Bandleader Tyshawn Sorey. Wie es zu dieser Besonderheit kam, weiß ich nicht. Ich hoffe nicht, dass der „Geldspargedanke“ dazu beigetragen hat, denn der Drummer wird gleich mehrmals auf dem Fest zu sehen und zu hören sein.

Ein Großteil der komponierten Musik die auf dem Festivals zu hören sein wird, wurde dafür eigens in Auftrag gegeben und von dem Trompeter Ambrose Akinmusire, dem irakisch-amerikansichen Trompeter Amir ElSaffar und dem Norweger und Leiter der NDR Bigband, Geir Lysne, geschrieben.

Ein besonders erwähnenswerter Musiker, der in diesem Jahr eingeladen wurde ist der Gitarrist Nels Cline der mit seinem Projekt „Lovers“, Jazzstandards und Broadway Melodien spielt.

Rene Urtreger wird nach dem Film „Im Fahrstuhl zum Schafott“ persönlich über die Aufnahmen mit Miles Davis sprechen. Und als weiteres Highlight spielt die preisgekrönte Bigband Monk’estra mit seinem Leiter John Beasleys. Als Gastmusiker hat er dazu den deutschen Startrompeter Till Brönner eingeladen.

drumcoach berlin

Zum dritten und letzten mal hatte Richard Williams die künstlerische Leitung für das Berliner-Jazz-Festival.

Die Spielorte sind das Haus der Berliner Festspiele in der Schaperstrasse, das die Hauptbühne liefert und auf deren Seitenbühne weitere Konzerte stattfinden, das A-Trane in Charlottenburg, die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, die Kirche am Hohenzollernplatz, das Maison de France Cinema Paris & Salle Boris Vian und das Lido in Kreuzberg.

Das obligatorische Faltblatt zum Festival liegt schon aus und liefert die genauen Informationen zu den Konzerten, den Eintrittskarten und Adressen der Spielstätten.

Das Berliner Jazzfest ist eines der wenigen verbliebenen von der Stadt bezahlten und organisierten Feste, auf denen auch noch amerikanische Musiker teilnehmen. Hingehen lohnt sich auf jeden Fall.

 

Binäre Rhythmen

Als binäre Rhythmen werden alle Takte und Rhythmen bezeichnet die sich durch Zwei teilen lassen. Also z.B. der 4/4tel-Takt durch Zwei geteilt ergibt 2/4-tel, Vier-Sechzehntel durch Zwei geteilt ergibt Zwei-Sechzehntel, usw… Die Binären Rhythmen sind eine der zwei „Rhythmus-Familien“ die es in der Musik gibt. Die andere Familie ist die ternäre „Rhythmusfamilie“ und besteht aus Rhythmen die sich glatt durch Drei teilen lassen.

Die binären Rhythmen sind uns meist mehr vertraut und einfacher zu spielen, als die ternären. Vielleicht liegt es daran, dass unser Körper Binär aufgebaut ist und nicht Ternär. Also zwei Arme, zwei Beine, eine Rechte und eine Linke Seite hat.

Ganz sicher ist der 4/4tel-Takt die in unserer Welt meistgespielte Taktart. Und mit ihm die binären Achtel. Rock-Pop, Rock’N’Roll, Latinomusik, Funk, Hip-Hop, Country and viele andere Musikarten sind dafür ein Beispiel. Sie werden überwiegend im 4/4tel-Takt gespielt und die Rhythmen innerhalb des Taktes basieren auf binäre Achtel. Auch gängige Veränderungen der Time, wie z.B. das Half-Time-Feel, sind binäre Rhythmen. Nur selten und fast nie in Popularmusik, wird die Time eines geraden Taktes mit Hilfe eines ternären Rhythmus verändert.

Wie im Leben mischen sich auch die Rhythmusfamilien, ternär und binär miteinander. Die Jazzmusik z.B. wird auch überwiegend im 4/4tel-Takt gespielt. Schauen wir uns ein Realbook an, dann sind mindestens 90% der Kompositionen im 4/4tel-Takt und nur einige wenige Lieder im 3/4tel-Takt geschrieben. Noch seltener finden wir den 5/4tel-Takt. Das Musikstück „Take Five“ von Dave Brubeck, geschrieben im 5/4tel-Takt, ist hier eine große Ausnahme.

Kompositionen in klassischer Musik, wie z.B. Mozart, Beethoven usw.., bestehen überwiegend aus 4/4-tel und 3/4-tel Takten. In moderneren Stücken allerdings ist es durchaus üblich innerhalb eines Stückes die Taktart zu wechseln und dabei können dann durchaus ungewöhnliche Taktänderungen gewollt sein.

Auch wenn in der Musik, sowohl in der populären als auch in der „ernsten“ Musik, eine der Rhythmusfamilien vorherrschen, so werden doch ständig binäre und ternäre Rhythmen miteinander kombiniert. Das macht Musik interessanter und wirkungsvoller. So sind, siehe oben, Jazzstandards zumeist in einem 4/4tel-Takt. Die Subdivision innerhalb der Viertel ist aber frei gestaltbar und in mittleren Tempi eher ternär und in schnelleren Tempi binär gestaltet.

Um Rhythmus in der Musik zu verstehen, ist es notwendig die beiden Rhythmuskonzepte Binär und Ternär spielen zu können. Dabei sollten sie erst solide und unabhängig von einander eingeübt werden, um sie dann in Kombination zu üben und zu spielen.